Vier neue REACH-Risiken Ganze Lieferketten in der Pflicht

Brenzlig: Hersteller, Importeure und Verarbeiter haben strikt Informationspflicht für besonders besorgniserregende Stoffe nach REACH
Brenzlig: Hersteller, Importeure und Verarbeiter haben strikt Informationspflicht für besonders besorgniserregende Stoffe nach REACH

Nein: SVHC meint kein Super Video Home System, sondern »Substances of Very High Concern«. Vier sehr heikle Stoffe listet die Europäische Chemikalienagentur nun als neue Kandidaten für REACH-Zulassung. Auch Distributoren müssen solche Kandidaten lückenlos dokumentieren.

Der Fachverband Bauelemente Distribution (FBDi) warnt vor vier neuen REACH-Risiken in der Lieferkette. REACH steht für »Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals« und bezeichnet die Europäische Chemikalienverordnung 1907/2006.

Laut FBDi listet die European Chemicals Agency (ECHA) seit 12. Januar 2017 vier weitere Stoffe als besonders besorgniserregende Kandidaten für Zulassung nach REACH.

Hersteller, Importeure und Verarbeiter müssen nun 173 Stoffe lückenlos über gesamte Lieferketten dokumentieren (> ECHA-Pflichtenliste auf Englisch). Dokumentierpflichtig seit 12. Januar 2017 sind:

4,4′-Isopropylidenediphenol (Bisphenol A) (EG Nr. 201-245-8)

  • Fortpflanzungsgefährdend
  • Genutzt für Herstellung von anderen Stoffe, Epoxidharzen, Beschichtungen, Thermopapier
  • Antioxidans für Verarbeitung von PVC

Nonadecafluordecansäure (PFDA) und ihre Natrium- und Ammoniumsalze (EG Nr. 206-400-3)

  • Fortpflanzungsgefährdend, bioakkumulativ, toxisch (PBT)
  • Weichmacher, Schmiermittel, Prozesshilfsmittel, Korrosionsschutzmittel

4-Heptylphenol, verzweigt und linear (4-HPbl)

  • Endokrin gegenüber Umwelt
  • Ermöglicht Polymere für Fahrzeug- und Maschinen-Schmiermittel

4-tert-Pentylphenol (PTAP) (EG Nr. 201-280-9)

  • Endokrin gegenüber Umwelt
  • Verwendung als Zwischenprodukt bei Parfum- und Duftstoffherstellung
  • Bestandteil in Klebstoffen, Beschichtungen, Druckfarben, Farben

Zwar umfasst die Kandidatenliste noch keine Zulassungspflicht für betroffene Hersteller und Importeure. Der FBDi betont aber, dass Hersteller wie Verarbeiter der neu gelisteten Stoffe deren Verwendung in der Lieferkette dokumentieren müssen.

Dies gilt laut Europäischem Gerichtshof für jeden gelisteten Stoff der mehr als 0,1 Gewichtprozent einer Einzelkomponente ausmacht. Der Grenzwert von 0,1 Masseprozent gilt also für jedes Einzelprodukt, das Teil eines Endproduktes ist.

Weitere Links

ECHA-Presseinfo (auf Englisch)

Kandidatenliste für Zulassung nach REACH (mit Onlinefilter)

Fachverband Bauelemente Distribution FBDi