Fragen an Distributoren Distributoren halten Vor- und Rückschau

Die Erwartungen an die Zukunft sind durchaus positiv

Die Elektronikbranche hat gerade die umsatzstarke Weihnachtszeit hinter sich gebracht. Die Verantwortlichen der wichtigsten Elektronik-Distributoren richten ihren Blick aber längst schon auf das Jahr 2017 und erste Einschätzungen dazu liefert diese Umfrage.

Als Elektronik-Redaktion wollten wir zu Jahresanfang wissen, wie die Firmenmanager der Distributions-Branche die Vergangenheit, die Gegenwart und die nähere Zukunft bewerten bzw. einschätzen. Die folgenden drei Fragen richteten wir deshalb an die jeweilige Geschäftsleitung:

  1. Wie lief das Geschäftsjahr 2016 für Ihr Unternehmen?
  2. Wo sehen Sie die derzeit größten Wachstumsimpulse im Elektronik-Markt
  3. Welche Herausforderungen (beeinflusst durch Brexit, US-Wahl, Rechtspopulismus, Protektionismus usw.) erwarten Sie für die Distributionsbranche, die 2017 praxisnah angegangen werden müssen?

Weniger Linecard-Partner = mehr Design-in-Expertise

Als erster der Befragten meldete sich von Seiten der SE Spezial-Electronic AG Rolf Aschhoff zu Wort, der bei dem Dienstleistungsunternehmen als Vice President Vertrieb & Marketing die Zügel in der Hand hält. Die Firmenphilosophie stützt natürlich auf eine positive Umsatz- und Ertragsentwicklung; dazu müssen aus seiner Sicht verschiedene „Einstellräder“ ständig nachjustiert werden. Wichtig sei es u.a., immer wieder innovative neue Lieferanten ausfindig zu machen, die gute Ideen in neue Produkte verwandeln.

Wie lief 2016?

Rolf Aschhoff: Für SE Spezial-Electronic war 2016 unter dem Strich ein sehr positives Jahr, nicht nur hinsichtlich der Umsatz- und Ertragsentwicklung, die deutlich über dem Branchenschnitt lag, sondern vor allem auch in puncto Marktpositionierung. Wir registrieren immer wieder, dass sich trotz oder vielleicht sogar auch wegen des ganzen Internet-Hype viele unzufriedene Anwender und Hersteller wieder ganz bewusst für die Zusammenarbeit mit einem technisch versierten, mittelständischen Distributionspartner vor Ort entscheiden. Ein Trend, der uns im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht nur viele neue, technisch anspruchsvolle Projekte mit hohem Beratungsanteil beschert hat, sondern auch einige innovative neue Lieferanten – beispielsweise den deutschen Kondensatorenhersteller WIMA, den Sensorspezialisten Amphenol Advanced Sensors oder NextInput, ein amerikanisches Start-up-Unternehmen, das mit seiner MEMS-ForceTouch-Sensortechnologie völlig neue, dreidimensionale Bedienfunktionen für Touch-Displays, Taster und Schalter ermöglicht.

Wachstumsimpulse?

Aschhoff: Mit die stärksten Wachstumsimpulse erwarten wir uns die nächsten Jahre definitiv von Indus­trial IoT, also dem Vernetzen von professionell genutzten Geräten und Anlagen zur Steigerung der betrieblichen Effektivität beispielsweise im produzierenden Gewerbe oder in der Agrarwirtschaft. Hier geht es nicht darum, einem Kunden via Internet einen einzelnen Sensor oder einen beliebigen Bluetooth-Baustein zu verkaufen. Hier ist in der Regel tiefes technisches Know-how gefragt, also Expertenwissen möglichst bis auf die Systemebene. Anders als die großen Fulfilment-Distributoren mit ihren Hunderten von Linien können wir uns bei der Suche nach der besten individuellen Lösung im Bedarfsfall nämlich der vollen Unterstützung unserer Lieferanten sicher sein. Interessante Wachstumschancen bergen auch Themen wie Elektromobilität und Mobile Power in sich.

Erwartungen an 2017?

Aschhoff: Mit die größten aktuellen Herausforderungen für die Distributionsbranche sind sicherlich nach wie vor die digitale Transformation und die voranschreitende Globalisierung. Beide verändern nicht nur Unternehmensprozesse, sondern mitunter ganze Geschäftsmodelle. Deshalb sind hier neue intelligente Konzepte und Lösungen gefragt, die auch in Zukunft den wirtschaftlichen Interessen aller Beteiligten – denen der Kunden und Lieferanten auf der einen und denen der Distributoren als Dienstleister für die beiden erstgenannten auf der anderen Seite – gerecht werden. Eine der Kernfragen dabei ist wohl: Wie viel technische Unterstützung darf der Anwender in Zukunft noch zu welchen Konditionen erwarten? Welche Folgen der Brexit, die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und andere wirtschaftspolitische Unsicherheitsfaktoren wie die anhaltende Finanzkrise in Italien im Laufe der nächsten zwölf Monate speziell für die deutsche Distributionsbranche haben werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer erahnen. Für SE Spezial-Electronic als mittelständisches Distributionsunternehmen viel wichtiger ist, dass wir mit einer intelligenten Lagerhaltung und Beschaffungspolitik schnell auf alle Eventualitäten reagieren können. Mit dieser letztlich auch den Kunden zugute kommenden Strategie sind wir inzwischen auch für unvorhersehbare Entwicklungen bestens gerüstet.