Vortragsprogramm DdJ 2017 Distribution im Wandel

Anlässlich der Preisverleihung zum Distributor des Jahres 2017, lud die Elektronik zu einem spannenden Vortragsprogramm ein. Am Freitag sprachen am Redaktionssitz in Haar Georg Steinberger, Marcus Gross und Dr. Matthias Hiller über bedeutende Themen in der Distribution.

Los ging es mit Georg Steinberger, Vorstandschef des FDBi, der über den aktuellen Stand der Bauelemente-Distribution sprach. Der Markt für elektrische Systeme wächst zwar weiter an, doch Steinberger warnt eindringlich vor den bereits geschehenen und kommenden Änderungen im Distributionsbereich. Eine »neue« Halbleiterindustrie zeichnet sich durch die wachsende Anzahl von Akquisitionen in den letzten Jahren ab. Allein 2016 wurden acht mittelgroße Unternehmen von größeren Konkurrenten aufgekauft. Steinberger sieht den Trend dahingehend, dass es in fünf bis zehn Jahren nur noch etwa 25 Halbleiterhersteller mit eigener Produktion geben wird. Um am Markt zu bleiben übernehmen Hersteller auch Dienstleistungen die bis jetzt bei den Distributoren lagen.

Auf der Konsumentenseite übernimmt die »Demokratisierung des Designs«  Aufgaben der Distributoren. Raspberry Pi  und Arduino-Boards sowie Communities und Makerspaces vereinfachen die Entwicklung vom Design bis zum Prototypen. Auch neue innovative Player wie Amazon verändern das Distributionsgeschäft. Für die Zukunft spekuliert Steinberger auf folgende Szenarien. 10% Margen bei 5% Kosten, Konkurrenz durch Hersteller und Amazon, Datenintelligenz wird wichtiger um Geschäfte zu machen oder zu optimieren. Außerdem werden Informationen und Dienstleistungen für das Geschäft des Distributors genauso wichtig wie die Produkte werden.

Demokratisierung des Wissens

Von der Demokratisierung des Designs ging es weiter mit der Demokratisierung des Wissens. Im zweiten Teil stellte Marcus Gross die künstliche Intelligenz von IBM, Watson, vor. Mit vielen Anwendungsbeispielen zeigte er, wozu lernende Algorithmen inzwischen fähig sind. Dabei betonte er, dass es sich bei Watson um einen Entscheidungshelfer handelt. Das Programm gibt einen Vorschlag für die beste Entscheidung ab, zum Beispiel bei der Behandlung von Krankheiten oder welcher Kunde gerade unzufrieden ist, basierend auf der Auswertung der Kommunikation mit dem Unternehmen

Schwachstellen in der Supply Chain

Von der Software zur Hardware mit Dr. Matthias Hiller, Chef der Forschungsabteilung physikalische Sicherheitstechnologien am Fraunhofer AISEC. In seinem Vortrag stellt der die Arbeit seiner Abteilung zur Sicherung von eingebetteten Systemen innerhalb der Supply Chain vor. Dabei wird jeder Schritt vom Produkt-Design bis zur Auslieferung zum Endnutzer auf mögliche Sicherheitslücken und Schwachstellen untersucht. Gerade wenn Entwicklung und Herstellung an externe Auftragnehmer vergeben werden, ist es oft schwierig eine mutwillige Veränderung am Produkt zu verhindern. Beispiele sind Hardware-Trojaner in der Form von zusätzlichen Schaltungen, die Nutzung von recycelten Produkten für neue Ware und Fälschungen. Dazu kommen ungewollte Sicherheitslücken wie offen gelassenen Adminschnittstellen und nicht dokumentierte Prozesse.

Zum Schutz von Chips mit besonderen sensiblen Daten, wie zum Beispiel im Pass, werden heute High-Security Applikation genutzt. Da diese aber sehr aufwendig und teuer sind, können sie nicht von allen Herstellern eingesetzt werden. An einer Alternative dafür forscht das Fraunhofer AISEC. Eine Folie mit integrierten Drähten soll in Zukunft eingebettete Systeme vor physikalischen Angriffen schützen. Doch sie sollte nur eine Maßnahme in einem Sicherheitskonzept sein das die gesamte Herstellungskette abdeckt. Denn ein einziger »Point of failure« kann das gesamte System lahmlegen.

Mit diesen drei spannenden und informativen Vorträgen endete das offizielle Programm zur Distributor des Jahres-Preisverleihung. Die Teilnehmer konnten die aufregenden Tage danach noch bei einem Weißwurstfrühstück ausklingen lassen.

Im Video: Vortragsprogramm »Distributor des Jahres 2017«