Interview mit Digi-Key-Präsident und COO Dave Doherty Auf alles vorbereitet

Präsident Dave Dohert im Münchner Büro von Digi-Key
Präsident Dave Dohert im Münchner Büro von Digi-Key

Einfach nur ein gutes Angebot auf der Website – das reicht bald nicht mehr, glaubt Dave Doherty, seit Juli 2015 neuer Präsident von Digi-Key. Höhere Integration – das gilt nicht nur für Bauelemente sondern auch für die Prozesse beim Distributor.

Viele Distributoren haben sich auf bestimmte Märkte oder Technologien spezialisiert oder bauen enge Liefergeflechte mit ihren Kunden auf, die auf Vorbestellungen und kalkulierbaren Mengen beruhen. Der Kreis der Universal-Distributoren, die sowohl kleine als auch große Mengen in kurzer Zeit liefern, ist hingegen recht klein. Zu ihnen zählt Digi-Key, die an sich selbst den Anspruch haben, in fast jede Ecke der Welt zuverlässig liefern zu können – auch dann, wenn der Kunde selbst noch nicht genau weiß was er braucht und wieviel er braucht.

Am 1. Juli 2015 haben Sie die Leitung von Digi-Key übernommen. Was wird sich gegenüber ihrem Vorgänger Mark Larson ändern?

Dave Doherty: Zumindest am Anfang wird es mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede geben. Für drastische Kursänderungen besteht also überhaupt kein Anlass, ganz im Gegenteil: In unserem Geschäft muss man sich nicht dauernd ändern. Alles um uns herum ändert sich ständig: Die Kundenanforderungen ändern sich, die Lieferanten ändern sich… Aber letztlich sucht jeder Lieferant doch immer nur nach Möglichkeiten, seinen Kundenkreis zu erweitern und das ist genau das, was wir tun.

Also ändert sich überhaupt nichts?

Doherty: Die meisten Kunden kommen auf die Digi-Key-Website, weil sie Informationen suchen. Mittelfristig werden sie ihre eigene Umgebung nicht mehr verlassen müssen, um an diese Informationen zu kommen. Ein gutes Beispiel, wie das funktionieren kann, sind die System- und Leiterplatten-Designtools: Wir arbeiten mit den führenden Werkzeugherstellern wie Altium und Mentor Graphics zusammen, damit die Entwickler schon während des Entwurfs Zugriff auf unsere Bauteilbibliotheken haben. Ohne dass sie ihre Entwurfsumgebung verlassen müssen, können sie eine Bauteileliste zusammenstellen, die Lieferbarkeit überprüfen und sehen auch gleich die Materialkosten. Diese Form der Integration wird sich sicherlich noch ausweiten und schnell voranschreiten.

Heute ist das mehr ein Informationstransfer, um den Zugriff auf Informationen einfacher zu machen. Aber schon heute fragen uns die EDA-Tool-Hersteller, ob wir mehr Daten liefern können, um den Nutzwert zu erhöhen. Dabei geht es z.B. darum, funktionsgleiche Bauteile mit gleichem Footprint zu finden. Natürlich haben wir die Informationen aus den Datenblättern in unseren Bibliotheken, aber wir haben auch damit begonnen, 3D-Modelle der Bauteile mit aufzunehmen und wir haben Symbole und Abmessungen, die kompatibel mit bestimmten EDA-Tools sind. Diese Integration wird Schritt für Schritt weitergehen. Die EDA-Hersteller sind für uns kritische Partner, wobei wir nicht für uns in Anspruch nehmen, besonderes EDA-Know-how zu haben. Wir legen großen Wert darauf, nicht mit unseren Partnern in Wettbewerb zu treten. Aber wir leisten unseren Beitrag dazu, dass diese EDA-Integration gut funktioniert, sei es mit einfachen SPICE-Modellen oder mit komplexen Simulationsmodellen der Bauteile. Dazu stellen wir von unserer Seite die nötigen Daten bereit.

 

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