Personal-Management im Mittelstand Unternehmen haben Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern

Fachkräftemangel und verantwortungsvolle Personalpolitik im demographischen Wandel.

Den Mitarbeiterbedarf zu decken, fällt vielen Unternehmen immer schwerer. Elektronik-Redakteurin Irina Hübner sprach mit Kristina Opitz, Leiterin Personalwesen bei Bürklin Elektronik, über Fachkräftemangel und verantwortungsvolle Personalpolitik in Zeiten des demographischen Wandels.

Elektronik: Frau Opitz, warum legt Bürklin Elektronik aktuell einen so großen Schwerpunkt auf das Thema Ausbildung?

Kristina Opitz: Unser Unternehmensziel ist es, in den nächsten sieben bis acht Jahren den Umsatz zu verdoppeln. Dadurch wächst auch der Personalbedarf. Wir wissen ungefähr, was wir an Personal benötigen werden und in welchen Bereichen. Die Ausbildung ist ein Ansatz, den kommenden Personalbedarf zu decken.

Elektronik: Sie könnten stattdessen fertig ausgebildete Arbeitskräfte einstellen.

Kristina Opitz: Ich war schon immer eine große Befürworterin der beruflichen Erstausbildung. Denn mit der firmeneigenen Ausbildung können die jungen Leute nach den Bedürfnissen des Unternehmens ausgebildet werden. Ein Vorteil der firmeneigenen Ausbildung ist, dass man den Mitarbeiter früher und enger an sich bindet: Die meisten wollen nach der Ausbildung erst einmal im Unternehmen verbleiben.

Elektronik: Wie schwierig ist es, die Auszubildenden und ganz allgemein die Mitarbeiter zu bekommen, die Sie sich wünschen?

Kristina Opitz: Das ist nicht einfach – alleine schon wegen der demographischen Situation in Deutschland. Aber es gibt viele Bewerber, die sich bewusst für ein familiär geführtes Unternehmen entscheiden. Das ist eine gute Ausgangsposition für uns. Es ist wichtig, mit den Bewerbern ins Gespräch zu kommen, um sie für das Unternehmen zu begeistern und ihnen ein Gefühl für die Atmosphäre im Unternehmen zu vermitteln. Das funktioniert gut, gerade wenn es sich – wie im Fall von Bürklin Elektronik – um ein kleines Familienunternehmen mit nur 160 Mitarbeitern handelt.

Die Schwierigkeit besteht darin, den Bewerber überhaupt auf uns aufmerksam zu machen. Denn wir können nicht mithalten mit dem Bekanntheitsgrad von Großunternehmen und verfügen auch nicht über die finanziellen Ressourcen, um große Personal-Marketingkampagnen umzusetzen.

Elektronik: Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um sich als Arbeitgeber im Markt bekannt zu machen?

Kristina Opitz: Wir sind zum Beispiel auf Ausbildungsmessen und Jobmessen präsent. Außerdem pflegen wir mit den umliegenden Schulen intensive Kooperationen. Beispielsweise ermöglichen wir Schülern Praktika bei uns, damit sie uns kennenlernen und sich vielleicht später um eine Ausbildung bei uns bewerben. Ich führe auch Bewerbertrainings mit Schulklassen durch. Dabei komme ich mit Schülern der 8. und 9. Klasse ins Gespräch. Unsere Hoffnung ist, dass sich der ein oder andere später an mich und Bürklin Elektronik erinnert, wenn er sich irgendwann bewerben muss.

Elektronik: Machen Sie auch im Internet auf sich aufmerksam?

Kristina Opitz: Unseren Internetauftritt haben wir schon an unsere Zielgruppen angepasst, unsere Karriere-Seiten überarbeiten wir gerade. Daneben sind wir auf Xing und Facebook vertreten. Wir müssen auf den Social-Media-Plattformen aber noch präsenter werden, um die jungen Leute zu erreichen.

Elektronik: Aber Sie können Ihre freien Stellen momentan besetzen?

Kristina Opitz: Ja, bisher konnten wir sowohl die regulären als auch die Ausbildungsstellen noch immer besetzen. Allerdings bedarf es immer größerer Anstrengungen. Zusätzlich zum demographischen Wandel machen immer mehr junge Leute Abitur und studieren dann. Der Glaube an berufliche Weiterqualifizierungsmöglichkeiten nimmt ab, obwohl es sie eigentlich gibt: Nach einer kaufmännischen Ausbildung ist die Weiterbildung zum Handelsfachwirt oder Betriebsfachwirt möglich. Diese Abschlüsse sind gleichwertig mit einem Bachelor-Abschluss an der Hochschule, aber das wird nicht immer so gesehen.