Deutsche Unternehmen Schlecht für die Zukunft gerüstet?

Zwar steigen die Unternehmens-Budgets für Innovationen. Trotzdem glauben viele Unternehmen, dass sie nicht ausreichend auf die Zukunft vorbereitet sind. Gerade bei digitalen Innovationen besteht Nachholbedarf.

Die deutsche Wirtschaft gibt immer mehr Geld für Innovationen aus. Laut »Deloitte Innovation Survey 2017« werden die Ausgaben für Innovationen in den nächsten Jahren um 2,7 Prozent pro Jahr steigen. Von heute 166 Mrd. Euro wird das Budget also auf 175 Mrd. Euro bis Ende 2019 anwachsen.

Dennoch fühlt sich die Hälfte der Unternehmen höchstens ausreichend für die Zukunft gerüstet, was Themen wie digitale Technologien und Prozesse wie Big-Data-Analysen, Cloud-Computing- und Internet-of-Things-Lösungen angeht.

Die Deloitte-Studie überprüfte insgesamt zehn verschiedene Innovationsarten, darunter die oben genannten Technologien und Prozesse. Dabei stellte sich heraus, dass fast zwei Drittel der Befragten nur maximal drei der zehn Innovationsarten nutzt. Viele Innovationspotenziale bleiben also ungenutzt. Das begründen die Befragten unter anderem mit Zeitmangel sowie fehlendem Fachwissen zu digitalen Technologien und Prozessen.
 
»Die Digitalisierung stellt viele bisherige Innovationsstrategien auf den Kopf. In puncto Innovationsfähigkeit und -kultur sind deshalb neue Ansätze gefragt. Wie unsere Studie zeigt, kämpfen aber viele Unternehmen hierzulande noch mit der Anwendung in der Praxis«, erklärt Nicolai Andersen, Leiter Innovation in EMEA bei Deloitte.

Big Data interessanter als Blockchain

Verstärkt ins Visier genommen werden von den Unternehmen vor allem Big-Data-Analysen, Cloud Computing und das Internet der Dinge. Eine deutlich geringere Rolle spielen Automatisierung, Crowdsorucing und Blockchain-Anwendungen. Gerade beim IoT und dem damit zusammenhängenden Themenkomplex Machine Learning besteht das höchste Implementierungspotenzial.

Das bedeutet: Viele Unternehmen betrachten diese Technologien als hochrelevant, haben aber noch keine konkreten Pläne zu deren Implementierung entwickelt. Das trifft auf immerhin bis zu 20 Prozent der Firmen zu. 

Mittelstand fühlt sich besser vorbereitet

Drei Viertel der Unternehmen rechnen mit starken Veränderungen im Markt. Insgesamt fühlt sich nur ein Drittel gut vorbereitet. Doch zeigen sich hier Unterschiede zwischen Unternehmen verschiedener Größenordnung und Branchen. So wähnt sich der Mittelstand besser aufgestellt als die Konzerne. Außerdem sehen sich Finanzdienstleister und Technologiefirmen besser vorbereitet als die meisten anderen Industrien.

»Nur jedem vierten Unternehmen gelingt der Übersetzungserfolg von Trends in Innovationen. Um das zu ändern, müssen die Betroffenen mehr tun als ihre Budgets zu erhöhen. So kann eine breite Anwendung unterschiedlicher Innovationsarten ebenso hilfreich sein wie die generelle Förderung der Innovationskultur«, ergänzt Andersen.

»Das bedeutet auch, genügend Zeit einzuräumen und das eigene Ökosystem für Impulse zu nutzen. Wichtig ist es, genau zwischen Hype und Substanz unterscheiden zu können. Dort, wo es sich wirklich lohnt, muss das Engagement unbedingt höher ausfallen, besonders beim Mittelstand. Großkonzerne können von den schlanken Organisationsstrukturen der Start-up-Welt lernen und müssen gleichzeitig die Innovationskultur aktiv fördern.«
 
Für den »Deloitte Innovation Survey 2017« wurden mehr als 150 Chief Innovation Officers und Top-Manager aus allen Sektoren im Bereich Innovationen befragt. Die komplette Studie finden Sie hier zum Download.