Weiterbildung ist Pflicht und Chance Man lernt nie aus!

Wie die Digitalisierung die Arbeitswelt ändert

Durch die Digitalisierung ändert sich die Arbeitswelt rasant. Ingenieure müssen sich auf immer neue Technologien einstellen. Was das für Mitarbeiter und Unternehmen bedeutet, erklärt Klaus Lerche, Vertriebsleiter beim Personaldienstleister Gulp, im Interview mit Elektronik-Redakteurin Irina Hübner.

Elektronik: Aktuelle Studien besagen, dass lebenslanges Lernen für das Berufsleben zunehmend wichtiger wird. Warum ist das so?

Klaus Lerche: Mit der zunehmenden Digitalisierung unserer Arbeitswelt ändern sich die Anforderungen an Mitarbeiter rasant. Was heute noch neuester Stand der Technik ist, kann wenige Zeit später schon wieder veraltet sein. Das gilt insbesondere für Ingenieure. Die Forschung treibt kontinuierlich die Entwicklung voran, Prozesse und Arbeitsschritte wandeln sich in einem immer schnelleren Tempo.

Durch neue Fertigungs- und Analyseverfahren wie 3D-Druck, vernetzte Produktion und vorausschauende Instandhaltung durch lernende Algorithmen kommen neue Fähigkeiten hinzu, die sich ein Ingenieur aneignen muss. Dadurch werden Produktentwicklungs-Projekte immer komplexer. Digitale Kompetenzen und disziplinübergreifendes Projektmanagement sind dabei essenzielle Bausteine.

Elektronik: Müssen auch Führungskräfte immer weiter lernen?

Klaus Lerche: Ja, beim Thema „Lebenslanges Lernen“ kommt Führungskräften eine Schlüsselrolle zu. Denn sie müssen eine neue Lernkultur im Unternehmen etablieren und aktiv mit gutem Beispiel vorangehen.

Die Arbeitswelt wandelt sich schneller denn je. Die immer kürzeren Innovationszyklen bedeuten auch neue Herausforderungen und Aufgaben für die Führungskräfte. Außerdem haben wir es heute mit einer vernetzten Arbeitsorganisa-tion und flexiblen Arbeitsformen zu tun.

Die Führungskraft muss Mitarbeitern stärker denn je Orientierung geben. Dazu ist es unerlässlich, dass sie die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien beherrscht, um die Beschäftigten auf die Reise mitzunehmen.

Elektronik: Was kann der einzelne Mitarbeiter tun, um sein Wissen auf dem aktuellen Stand zu halten?

Klaus Lerche: Grundsätzlich ist eine offene Einstellung und Neugier gegenüber neuen Technologien wichtig. Der erste Schritt ist, immer informiert und auf dem neuesten Stand zu aktuellen Trends zu bleiben. Um Weiterbildungsoptionen zu besprechen, sollte der Mitarbeiter aktiv das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen – sei es im regulär stattfindenden Personalgespräch, aber auch gerne außer der Reihe. Dafür ist es sicherlich hilfreich, sich vorab über Angebote im jeweiligen Tätigkeitsbereich zu informieren, zum Beispiel bei den Branchenverbänden.

Elektronik: Gulp vermittelt Ingenieuren als Personaldienstleister Tätigkeiten in der Projektarbeit. Was können die Ingenieure dort lernen?

Klaus Lerche: In der Projektarbeit sammeln Fachkräfte in zeitlich begrenzten Einsätzen Fachwissen und erweitern kontinuierlich ihre Expertise in immer neuen Unternehmen und Branchen. Wer sich auf diese Weise kontinuierlich „on the job“ weiterbildet, erhöht langfristig seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt: Bessere Karrieremöglichkeiten, mehr Verantwortung oder eine Gehaltserhöhung können positive Folgen sein.

Elektronik: Befinden sich auch die Arbeitgeber in der Pflicht? Kann der Mitarbeiter beispielsweise Weiterbildungsmaßnahmen einfordern?

Klaus Lerche: Kein Unternehmen kann heute mehr auf qualifizierte Mitarbeiter verzichten. Deshalb sollte es größtes Interesse daran haben, dass die Beschäftigten sich weiterbilden. Eine Pflicht besteht für Unternehmen in der Regel nicht, es sei denn es gibt entsprechende vertragliche Vereinbarungen dazu.

Die beste Möglichkeit für Arbeitnehmer ist es, offen auf ihren Chef zuzugehen und das Thema anzusprechen. So ist es häufig möglich, eine gute Lösung für beide Seiten zu finden. Denn am Ende profitieren sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter davon.