Elektrotechnik-Ingenieure in Deutschland »Exzellenter Ausbildungsweg«

Beurfsbild Elektrotechnik-Ingenier im Wandel vom Trend Industrie 4.0.
Beurfsbild Elektrotechnik-Ingenier im Wandel vom Trend Industrie 4.0.

Ferchau ist mit mehreren tausend Mitarbeitern der größte deutsche Ingenieurdienstleister. Die Elektronik sprach mit Geschäftsführer Frank Ferchau über den Wandel im Berufsbild des Elektrotechnik-Ingenieurs und ob sich das deutsche Ausbildungssystem durch den Trend Industrie 4.0 bald verändern muss.

Herr Ferchau, als Ingenieurdienstleister beschäftigt Ihr Unternehmen etwa 7400 Personen. Wie viele davon sind Elektrotechnik-Ingenieure?

Frank Ferchau: Von unseren mittlerweile knapp 7400 Mitarbeitern sind es etwa 30 Prozent. Wir sprechen also von etwa 2200 Elektrotechnik-Ingenieuren in unserem Unternehmen.

Sind Elektrotechniker, die aus den Hochschulen zu Ihrem Unternehmen stoßen, in der Regel gut auf die tatsächlichen Aufgaben vorbereitet?

Ferchau: Die Frage nach der Praxistauglichkeit einer Ausbildung treibt die Menschheit wohl schon seit jeher um. Generell gibt es für uns aber keinen Grund zur Klage gegen das deutsche Ausbildungssystem. Und das gilt nicht nur mit Blick auf unsere Elektrotechnik-Ingenieure, sondern auch für unsere Maschinenbauer und Informatiker.

Natürlich ist es ein Bestreben, möglichst viel Praxiserfahrung an den Hochschulen zu vermitteln. Auf der anderen Seite müssen aber gute theoretische Grundlagen gelegt werden. Das geht manchmal zwangsweise zu Lasten der Praxisorientierung, weil die heute sehr heterogen ist.

Gibt es aktuell Nachholbedarf im deutschen Ausbildungssystem für Elektrotechnik-Ingenieure aus Ihrer Sicht und an welcher Stelle?

Ferchau: Auch die Ausbildungslandschaft ist ja sehr heterogen, also müsste man für eine detaillierte Antwort die verschiedenen Hochschulen im Einzelnen durchgehen. Allgemein betrachtet kann ich aber sagen, dass wir keinen grundsätzlichen Änderungsbedarf sehen. Die Auseinandersetzung in der Ausbildung mit aktuellen Themen, die die Industrie bewegen, ist vorhanden und wird in ausreichendem Maß betrieben.

Ich persönlich halte die Elektrotechnik auch für einen ganz exzellenten Ausbildungsweg. Sie bildet die Schnittstelle zwischen der reinen Mechanik und der Informatik. Im Grundstudium werden auch fächerübergreifende Kenntnisse, wie zum Beispiel Informatik und Mechanik, vermittelt und im Hauptstudium erfolgt die Spezialisierung auf ein Fachgebiet. Insgesamt erhalten die Studierenden hier eine sehr breitbandige Ausbildung. Im Grund denke ich, dass wir uns in Deutschland wirklich nicht beklagen können.

In welchen Bereichen müssen Sie als Unternehmen noch in Ihre Berufseinsteiger investieren?

Ferchau: Das müssen wir in diesem Sinne eigentlich gar nicht, denn genau darin besteht unser Angebot: Ein Absolvent kann bei uns sehr schnell mit der Projektarbeit beginnen, etwa in dem Bereich, über den seine Bachelor- oder Masterarbeit handelte. So kann er sich schrittweise einen Erfahrungsschatz aufbauen und von Projekt zu Projekt auch in neuen, themenverwandten Bereichen arbeiten. Zum Beispiel führt ein Absolvent aus dem Bereich Automatisierungstechnik ein erstes Projekt im Bereich Anlagenbau durch. Das zweite kann dann ein Automatisierungsprojekt im Automotive-Bereich sein. Danach kann innerhalb des Automotive-Bereichs ein Projekt zur Mikrocontroller-Programmierung folgen.
Die Projektarbeit für einen Mitarbeiter ist bei uns so angelegt, dass er einen Teil seiner Erfahrung aus einem gerade beendeten Projekt für das Folgeprojekt nutzen kann und dort wieder etwas Neues lernt. Ich denke, diese Perspektive ist das Beste, was man einem Absolventen versprechen kann.