Digitalisierte Produktion Wie bleibt Deutschland Vorreiter der Industrie 4.0?

Die Digitalisierung der deutschen Produktion wird maßgeblich von der Plattform Industrie 4.0 vorangetrieben. Ihre Vertreter stellten auf dem Digitalgipfel in Ludwigshafen nun ein Zehn-Punkte-Programm vor. Das Ziel: Deutschlands führende Rolle in der Industrie 4.0 weiter ausbauen.

Deutschland ist das Industrie 4.0 Land Nr. 1 in der Welt. So sagte es die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries auf dem Digitalgipfel (Nachfolgeformat des nationalen IT-Gipfels) am 12. und 13. Juni 2017. Und so lautet auch der erste Satz in der gemeinsamen Handlungsempfehlung der Plattform Industrie 4.0, die auf eben jenem Digitalgipfel vorgestellt wurde. Über 300 Vertreter aus der Wirtschaft, den Verbänden und Gewerkschaften, der Wissenschaft und der Politik haben darin zehn konkrete Schritte erarbeitet, durch die Deutschland seine führende Position halten und ausbauen könne.

Ein großer Pluspunkt des Standortes Deutschland ist laut Dr. Klaus Mittelbach, Mitglied des ZVEI-Vorstands, die Fähigkeit, sich industriepolitisch schnell zu organisieren. Außerdem sei Deutschland führend bei der praktischen Umsetzung von Industrie 4.0-Konzepten. Konkrete Anwendungsfälle sind bereits Thema in den Unternehmen aller Größen. Die »Landkarte Industrie 4.0« weist aktuell 295 Einträge auf. Hier sind deutsche Unternehmen gelistet, die sich in der Umsetzungsphase praxisnaher Projekte befinden oder solche bereits in das Stadium des produktiven Einsatzes überführt haben. Ein Beispiel ist der Einsatz von Datenbrillen für eine effizientere Kommissionierung in den beiden VW-Werken in Emden und Wolfsburg.

Der nächste notwendige Schritt auf dem Weg zur Vision von Industrie 4.0 wird laut Dr. Mittelbach in den deutschen Unternehmen bereits vorbereitet: Die Entwicklung von Geschäftsmodellen auf Basis von Smart Data. Industrie 4.0 ist nicht allein die Anbindung eines Automatisierungssystems an die Cloud, sondern es sollen auf Basis der erhobenen Daten neue Wertschöpfungsmodelle entstehen, für die der Anbieter entsprechendes Geld verlangen kann. Was diese Entwicklung im Detail bedeutet und wie sie die Automatisierungsindustrie in Deutschland verändern wird, hat Prof. Dr. Jörg Wollert in einem ausführlichen Beitrag für die Elektronik beschrieben. Er erscheint in der Jubiläumsausgabe Ende Juni zum 65-jährigen Bestehen des Fachmediums.