Hannover Messe 2010 Mit dem Fahrstuhl runter, die Treppe wieder rauf

Der ZVEI hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Elektroindustrie von drei auf fünf Prozent korrigiert. »Wir sind mit dem Fahrstuhl runter, und müssen nun wieder die Treppe hinauf« kommentiert Friedhelm Loh, Präsident des Zentralverbands Elektrotechnk und Elektronikindustrie die derzeitige Markterholung.

»Ohne die Elektroindustrie als Querschnittsbranche geht in Deutschland fast nichts mehr. Sie hat den Maschinenbau in 2009 von der Position Eins in der Exportstatistik verdrängt und Produkte im Wert von 120 Mrd. Euro ausgeführt«, erklärte Loh auf der Hannover Messe. Allerdings musste die Branche gegenüber 2008 bei den Ausfuhren einen Einbruch von 24 Mrd. Euro - das entspricht 16 Prozent - verkraften. Insgesamt sank der Umsatz der deutschen Elektroindustrie im Krisenjahr 2009 um 20 Prozent von 182 Mrd. Euro in 2008 auf 145 Mrd. Euro.

Während die Automatisierungsbranche mit Umsatzeinbrüchen von bis zu 25 Prozent besonders hart getroffen wurde, erwiesen sich die Gebrauchsgüter, z.B. Schienenfahrzeuge oder die Medizintechnik als weitgehend krisenresistent und konnten sogar ein leichtes Wachstum verbuchen.

Die Krise 2009 hatte auch Auswirkungen auf die Beschäftigung: In 2008 arbeiteten noch 827.000 Beschäftigte in der deutschen Elektroindustrie, Ende 2009 waren es noch 810.000. Nun zeigt die Trendkurve wieder nach oben. Die Zahl der Kurzarbeiter erreichte auf dem Höhepunkt der Krise 156.000 Menschen und ist mittlerweile auf 81.000 gesunken.

Dass es sich bei der Elektroindustrie um eine innovative Branche handelt zeigt die Tatsache, dass 40 Prozent der Umsätze mit Produkten erwirtschaftet werden, die nicht älter als drei Jahre sind. Jede dritte Innovation in der Industrie wird durch die Elektrotechnik und Elektronik getrieben, was die deutsche Patentstatistik eindrucksvoll untermauert. Trotz der Krise haben die meisten Unternehmen nicht an Ausgaben für die Forschung und Entwicklung gespart. In 2009 investierte die Branche 10,4 Mrd. Euro in F+E sowie 6,1 Mrd. Euro in die Fertigung. Im Jahr zuvor lagen die F+E-Aufwendungen mit 10,8 Mrd, Euro nur geringfügig höher, die Investitionen bei sieben Mrd. Euro.

»Die Anzeichen einer konjunkturellen Erholung sind zu Beginn des Jahres 2010 deutlich spürbar«, stellte Loh erleichtert fest. Die Umsätze im Januar und Februar liegen kumuliert um sechs Prozent über Vorjahr. Die Auftragseingänge kletterten im Januar 2010 um zehn und im Februar sogar um 21 Prozent gegenüber Vorjahr und die Produktion legte im Februar um fünf Prozent zu. Schließlich führte Loh noch den ifo-Geschäftsklimaindex für die Elektroindustrie an: »Er hat sich im März leicht verbessert und ist nun per Saldo zum ersten Mal seit Juli 2008 nicht mehr negativ.« 30 Prozent der Elektrofirmen erwarten, dass ihre Geschäfte in den nächsten sechs Monaten anziehen, 56 Prozent rechnen mit gleich bleibenden, 14 Prozent mit rückläufigen Geschäften. 

Für das laufende Jahr prognostiziert der ZVEI ein Umsatzwachstum von fünf Prozent und geht davon aus, dass die 150-Mrd.-Euro-Marke wieder überschritten wird. »Bleibt das geplante Wachstum auf dem Niveau von 2010 stehen, dann dürfte es vier Jahre dauern, bis wir wieder das Umsatzvolumen von 2008 erreichen«, erklärte Loh, hofft aber, dass »wir das Niveau schneller erreichen und sechs bis sieben Prozent Wachstum feststellen werden.«