Industrial Internet Gruppe gegründet Machen US-Giganten ihr eigenes Industrie 4.0.?

Die US-Firmen AT&T, Cisco, General Electric, IBM und Intel haben das Industrial Internet Consortium (IIC) gegründet, eine Gruppe mit offener Mitgliedschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, Abläufe und Daten einfacher zu verknüpfen und zu optimieren, um Geschäftsprozesse quer durch alle Industriezweige zu verbessern. Inwieweit hier eine Konkurrenz zur deutschen Plattform Industrie 4.0 entsteht, ist noch nicht absehbar.

Zurzeit entsteht ein Ökosystem aus Unternehmen, Forschern und öffentlichen Einrichtungen, um die Einführung von Anwendungen für das industrielle Internet zu fördern, ein grundlegendes Element zur Beschleunigung des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT). Das IIC ist eine neu gebildete, nicht gewinnorientierte Gruppe mit offener Mitgliedschaft, die eine Führungsrolle dabei einnehmen wird, die Interoperabilität über verschiedene industrielle Umgebungen hinweg zu etablieren, und so die Welt besser zu vernetzen. Gemäß der Charta des IIC soll die Innovation im insturiellen Umfeld insbesondere mithilfe folgender Punkte verbessert werden:

  • Neuschaffung bzw. Nutzung bereits bestehender industrieller Anwenderszenarien und Testumgebungen für praktische Anwendungen;
  • Bereitstellung von bewährten Verfahrensweisen, Referenzarchitekturen, Fallstudien und Standardisierungsanforderungen, um die Verbreitung vernetzter Technologien zu erleichtern;
  • Beeinflussung des weltweiten globalen Standardisierungsprozesses für das Internet und Industriesysteme;
  • Förderung offener Foren, um praktische Ideen, Vorgehensweisen, Lehren und Erkenntnisse auszutauschen und weiterzugeben;
  • Vertrauen rund um neue und innovative Sicherheitsansätze aufbauen.

Die fünf Gründungsmitglieder sind in ihrem Geschäftsfeld jeweils unangefochtene Marktführer: General Electric als größter Konkurrent zu Siemens alleine kam 2013 auf eine Bilanzsumme von 146 Mrd. Dollar (rund 108 Mrd. Euro, Siemens erzielte im Geschäftsjahr 2013 75,9 Mrd. Euro), dazu kommt mit Intel der weltgrößte Halbleiterhersteller (Umsatz 2013 mehr als 50 Mrd. Dollar) an Bord. Cisco ist Marktführer im Telekommunikatonsbereich (primär Switches & Router) und setzte 2013 48,6 Mrd. Dollar um, AT&T als größter Telekommunikationsanbieter sogar mehr als 127 Mrd. Dollar. Mit dem IT-Riesen IBM, der ebenfalls mehr als 100 Mrd. Dollar pro Jahr umsetzt, kommen die fünf Gründungsmitglieder zusammen auf einen Jahresumsatz von mehr als 470 Mrd. Dollar und beschäftigen mehr als 1,15 Mio. Mitarbeiter. AT&T, Cisco, General Electric, IBM und Intel werden als Gründungsmitglieder neben vier weiteren gewählten Mitgliedern jeweils einen ständigen Sitz im gewählten Lenkungsausschuss des IIC einnehmen.

Angesichts der Bedeutung dieser Technologie investiert die US-Regierung über 100 Millionen US-Dollar jährlich in Forschung und Entwicklung für cyberphysische Systeme und hat mit der Privatwirtschaft an einer Reihe von Testumgebungen in Bereichen wie Gesundheit, Transport, Smart Cities und Erhöhung der Sicherheit des Stromnetzes zusammengearbeitet.

Penny Pritzker, Handelsministerin der USA, erklärte jedenfalls schon einmal, dass sich “die US-Regierung freue”, mit öffentlich-privaten Zusammenschlüssen wie dem neuen IIC zusammenzuarbeiten, damit Produkte und Systeme des innovativen industriellen Internets in neuen Arbeitsplätzen in den Bereichen intelligente Produktion, Gesundheit, Transport und weiteren Bereichen münden.

Das IIC steht allen Unternehmen, Organisationen oder Einrichtungen offen, die an der Beschleunigung des industriellen Internets interessiert sind. Die Mitglieder des Konsortiums finden eine sichtbare Plattform für ihre Meinungen und können darüber hinaus in Arbeitsausschüssen wichtige Beziehungen mit Vorreitern in Technologie, Produktion, Wissenschaft und der Regierung knüpfen. Das IIC wird von der Object Management Group (OMG) geleitet, ein gemeinnütziger Wirtschaftsverband mit Sitz in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. Die Gebührenstruktur und Aufnahmeformulare finden sich unter www.iiconsortium.org.