Halbzeit Japan bremst Micronas aus

Das Schweizer Unternehmen Micronas gab seine Halbjahreszahlen für das Jahr 2011 bekannt und schraubt gleichzeitig die Umsatzerwartungen für das gesamte Geschäftsjahr herab. Der Grund: Die Katastrophe in Japan.

Micronas hat sich in den vergangenen Jahren im Rahmen einer Neupositionierung auf die Bereiche Automotive und Industrial konzentriert. Aufgrund dessen laufen einige Produkte, z.B. im Consumer-Bereich und Dashboard-Controller, aus. Die Verkäufe in diesem Bereich gingen daher auch wie geplant zurück.

Doch hat das Unternehmen mit Produktionsausfällen in Japan zu kämpfen, die seit Ende März zu Auftragsverschiebungen und einem Rückgang von Neuaufträgen führen. Das dämpft die Umsatzerwartungen der Schweizer. Durch das Erdbeben standen seit März Fertigungseinrichtungen zum Teil über Wochen und Monate still oder wurden unter der geplanten Leistung gefahren. Vor allem auf den Bereich Automotive hat das große Auswirkung, erwirtschaftet Micronas doch rund 45 Prozent des Umsatzes mit japanischen Kunden. Der Umsatz im zweiten Quartal viel daher schon leicht ab. Matthias Bopp, CEO bei Micronas: »Der Umsatz wird im dritten Quartal aufgrund der anhaltenden Japankrise am stärksten betroffen sein und wird sich voraussichtlich im vierten Quartal 2011 wieder erholen.«

79,7 Millionen Schweizer Franken setzte Micronas im ersten Halbjahr 2011 um und lagen damit wie erwartet 17 Prozent unter dem Ergebnis aus dem ersten Halbjahr 2010; der Gewinn vor Steuern (EBIT) beträgt 8,2 Millionen Schweizer Franken (2010: CHF 6,9 Mio.). Unter Berücksichtigung von Finanzaufwand und -ertrag sowie Steuern wies Micronas im ersten Halbjahr einen Gewinn von CHF 1.3 Millionen aus, nachdem im ersten Halbjahr 2010 noch ein Verlust von CHF 4.3 Millionen resultiert hatte. Im Finanzaufwand enthalten sind Kursverluste aus der Cash-Bewertung in der Höhe von CHF 3,4 Millionen, welche aufgrund des tiefen Euro-Kurses angefallen sind. Die Eigenkapitalquote beträgt 43 Prozent (CHF 113,6 Mio.)

Im Bereich Industrial läuft es gut für die Schweizer. Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass Micronas gemeinsam mit Siemens Produkte für die Brandfrüherkennung entwickelt. Bopp: »Das am 22. Juni bekannt gegebene Kooperationsabkommen zwischen Siemens und Micronas im Bereich der Gassensorik ist für Micronas ein Meilenstein, der unsere gute Positionierung deutlich macht.«

Die anhaltende Volatilität der Aktienmärkte macht eine dauernde Beurteilung der Finanzanlagen nötig. Beim Verkauf der Consumer-Produktlinien im Jahr 2009 erhielt Micronas Aktion an Trident Microsystems. Sollte sich das gegenwärtig tiefe Kursniveau dieser Aktien halten, ist das Unternehmen gezwungen, den Wert der Beteiligung zu berichtigen. Dies hätte auf das Finanzergebnis Auswirkungen in einstelliger Millionenhöhe.

Die Freiburger Fertigung (Waferfabrik, Montage und Test) war im ersten Halbjahr zu 70 Prozent ausgelasstet. Im April hat Micronas die bisher gemieteten Gebäude und Produktionsflächen in Freiburg gekauft.

Mit genauen Vorraussagen für das Geschäftsjahr 2011 hält sich CEO Matthias Bopp allerdings zurück: »Genaue Prognosen für das laufende Geschäftsjahr sind angesichts der verzögerten Nachfrageentwicklung der japanischen Kunden und der ungewissen wirtschaftlichen Entwicklung schwierig. Der Verwaltungsrat und das Management rechnen für das Gesamtjahr mit einem Umsatz zwischen CHF 150 und 155 Millionen; darin enthalten ist ein erwarteter Consumer-Umsatz von CHF 7 Millionen. Die EBIT-Marge dürfte zwischen 8 und 10 Prozent betragen.«