Medizinelektronik Intelligentes Pflaster

Das smarte Pflaster sendet eine im Notfall oder bei verschiedenen Vorkommnissen eine Nachricht an Pfleger.
Das smarte Pflaster sendet eine im Notfall oder bei verschiedenen Vorkommnissen eine Nachricht an Pfleger.

Pflegebedürftige Menschen müssen intensiv betreut werden, um zu verhindern, dass sie stürzen, sich verirren oder wundliegen. Für die Pflegenden entsteht dadurch eine enorme Belastung. Für Abhilfe soll das Sensormodul moio.care vom Fürther Start-up Moio sorgen.

Rund 2,6 Millionen pflegebedürftige Menschen leben in Deutschland. Davon werden mehr als zwei Drittel zu Hause versorgt – häufig durch Angehörige. Die psychische und zeitliche Belastung der Pflegenden ist groß und wird sich in den nächsten Jahren aufgrund des stagnierenden Angebots von professionellen Pflegekräften vermutlich noch verschärfen.

Damit Menschen auch in Zukunft effizient und nach ihren individuellen Bedürfnissen versorgt werden können, sind neue Formen der Arbeitsteilung zwischen Familie, Angehörigen und Pflegefachkräften notwendig. Ein Ansatz ist das System moio.care: Ein flaches, flexibles und weiches Sensormodul, das in einer elastischen Pflastertasche am Rücken befestigt wird. »Das TeleCare-System informiert Pflegende, falls konkreter Handlungsbedarf besteht, sodass Pflegebedürftige und Pflegende nicht permanent und unmittelbar räumlich aneinander gebunden sind«, erläutert Moio-Geschäftsführer Jürgen Besser. Durch das Sensormodul würden Kontroll- und Routineaufgaben vereinfacht, entlaste die Pflegenden und führe zu höherem Schutz der Pflegebedürftigen.

Funktionen des smarten Pflasters

Bereits in der ersten Entwicklungsstufe verfügt das intelligente Pflaster über praktische Funktionen. Beim virtuellen Geofencing können Pflegebedürftige gezielt lokalisiert werden. Verlassen desorientierte Menschen definierte Zonen, wird die Kontaktperson alamiert. Im Notfall lässt sich die Position eines Menschen genau ermitteln. Außerdem senden Beschleunigungs- und Lagesensoren ein Signal bei Sturzerkennung oder wenn sturzgefährdete Personen aus dem Bett aufstehen wollen.

Um Wundliegen zu verhindern, werden Pflegende zudem informiert, falls die Person für einen definierten Zeitrum bewegungslos bleibt. Zusätzlich kann der Sensor auswerten, wann und wie viel sich der Träger bewegt hat. Das daraus ermittelten Aktivitätsprofil gibt Aufschluss über den Kalorienbedarf.

Das System kontrolliert eigenständig, ob es auch tatsächlich am Körper getragen wird. Dadurch können Fehlfunktionen vermieden werden. Die Daten werdem vom Modul lokal gesammelt und erst im definierten Bedarfsfall an einen Datenserver gesendet. Der informiert anschließend die Pflegenden, zum Beispiel über eine Nachricht an ein Smartphone.

Laut Besser sind die bisher verfügbaren Geräte für Menschen mit Demenz meist ungeeignet. Entweder erfordern sie eine bewusste Aktion des Trägers, oder können unbemerkt vergessen, abgenommen oder verloren werden. Darum initiierte die Diakonie Neuendettelsau im Jahr 2010 ein Forschungsprojekt mit Unternehmen im Spitzencluster Medical Valley EMN, an dem sich auch die Wilhelm Löhe Hochschule und der Lehrstuhl fur Technische Elektronik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg beteiligten. Das Modul moio.care wurde aus einer Idee des Forschungsinstituts IDC der Wilhelm Löhe Hochschule (WLH) entwickelt.