Vom Sensor über die MICA bis zu Watson IBM und Harting entwickeln Energiemanagementsystem

IBM und Harting arbeiten im Bereich industrielles Energiemanagement zusammen: IBM hat die Cloud-Plattform und seine künstliche Intelligenz Watson, Harting stellt mit der MICA den Edge-Computer zum Auslesen und vorverarbeiten von Stromzählerdaten.

»Momentan vertreiben wir einige hundert MICAs pro Jahr«, sagt Dr. Jan Regtmeier, Produktmanager der MICA bei Harting IT Software Development, angesprochen auf die Entwicklung des noch jungen Geschäftsfelds.

»Wenn wir den vierstelligen Bereich erreichen, schreiben wir schwarze Zahlen.« Und das wird in diesem Jahr vermutlich so weit sein. Würde von Hartings Seite aus etwas anderes prognostiziert, gäbe man sich auch ein Stück weit zu bescheiden, pflichtet Detlef Sieverdingbeck, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Harting, seinem Kollegen bei.

Der Grund für diesen Optimismus liegt im wachsenden Partner-Netzwerk für MICA-Anwender, über das Harting neue Geschäftsbeziehungen knüpft und Pilotprojekte koordiniert. Gegründet wurde es vor etwa neun Monaten und umfasst mittlerweile 23 deutsche und mehrere internationale Unternehmen. Einer der prominentesten Mitglieder ist sicherlich IBM. »Ich war, ehrlich gesagt, schon beinahe überrascht, dass IBM so intensiv mit uns spricht«, gesteht Regtmeier und erklärt dann den Grund für das rege Interesse aus New York: IBM möchte seine KI (künstliche Intelligenz) Watson für Energiemanagement-Aufgaben – zum Beispiel das Abfangen von Stromlastspitzen – im industriellen Sektor nutzen und sieht in der MICA einen passenden Edge-Computer, um die nötigen Sensordaten in die eigene Cloud-Plattform zu schicken, um sie so der Analyse durch die KI-Software zugänglich zu machen.

 

Vorteil schnelle Entwicklung

Nun gibt es natürlich viele Anbieter von Industrie-PCs, die für diese Aufgabe die passende Hardware bereitstellen können. Ein Komplettsystem aus Hard- und Software, das sich, wie die MICA, mit wenig Entwicklungsaufwand an spezifische Aufgabenfelder anpassen lässt, bereits im Wesentlichen mit der IBM-Cloud kompatibel ist und die nötigen Schutzklassen für den Einsatz im Anlagen- und Maschinenbau mitbringt, ist momentan aber nur schwer zu finden. Der modulare Aufbau der Hardware und die offene Software machen den Industrie-PC für Pilotprojekte interessant, weil so eine zügige Prototypenentwicklung möglich ist. Ein Beispiel: Harting beschäftigt sich seit Juni 2016 mit dem Auslesen und Vorverarbeiten von Energiedaten. Den ersten MICA-Prototyp zum Auslesen entsprechender Sensoren gab es nach zehn Tagen und das Serienprodukt ("MICA-Energy") ist für das Q3 2017 angekündigt. Zum Auslesen von Stromzählerwerten sind in diese Gerätevariante S0-Schnittstellen integriert. Die vorverarbeiteten Daten gehen dann über OPC UA oder MQTT an eine Cloud-Plattform. Insgesamt lassen sich bis zu neunundneunzig Sensoren an einem Gerät betreiben.

Watson soll aber nicht nur für das Energiemanagement herangezogen werden, sondern auch für die vorausschauende Wartung. In wie weit sich dafür aus den Stromdaten einer Maschine auch Rückschlüsse auf den Maschinenzustand ziehen lassen, wird in einem weiteren Teil der Kooperation genauer untersucht. Erste Anwendungen sind bereits im Einsatz. Im Harting-Werk in Espelkamp liest eine MICA-Energy die Stromdaten einer Spritzgussmaschine aus, um Unregelmäßigkeiten zu entdecken und schickt sie in die IBM Cloud Bluemix. Weitere Details zur Kooperation hat Harting für die Hannover Messe (24. Bis 28. April) angekündigt.