Interview zu Sensor-Trends »Gestenerkennung wird ein ganz großes Thema!«

Dr. Thomas Stockmeier, Vizepräsident und General Manager Industry & Medical bei ams: »ams ist sicherlich durch die breite Aufstellung hinsichtlich Technologien und Märkten in einer hervorragenden Position.«
Dr. Thomas Stockmeier, Vizepräsident und General Manager Industry & Medical bei ams: »ams ist sicherlich durch die breite Aufstellung hinsichtlich Technologien und Märkten in einer hervorragenden Position.«

Ob Schnittstellen-ICs oder hochentwickelte Sensorlösungen – ams entwickelt und produziert Standard-Produkte sowie Sensoren und ICs nach Kundenwunsch. Mit Dr. Thomas Stockmeier sprach Elektronik-Redakteurin Andrea Gillhuber über Trends in der Sensorentwicklung.

Herr Dr. Stockmeier, welche Geschäftsbereiche betreuen Sie bei ams und wie sieht Ihr Produktportfolio aus?

Dr. Stockmeier: Meine Geschäftsbereiche umfassen Industrie und Medizin; hier entwickeln und liefern wir sowohl Sensoren als auch Sensor-Schnittstellen-ICs. Die Kunst bei analogen Bauteilen ist, ICs mit geringster Stromaufnahme zu entwickeln, welche einerseits höchstauflösend, linear und rauscharm, andererseits aber sehr kleinflächig sind.

In der Medizintechnik geht es für uns hauptsächlich um die bildgebende Diagnostik, sprich: digitale Röntgenbilder, Ultraschall, Computertomografie, etc. Früher mussten Röntgenbilder entwickelt werden, heute werden sie sowohl statisch wie dynamisch auf Bildschirmen betrachtet. Für diese Anwendungen entwickeln wir weltweit führend die Ansteuer- und Sensor-ICs.

In der klinischen Medizin entwickeln wir Produkte vom Schnittstellen-IC für Herzschrittmacher bis hin zur Positions-Sensorik für chirurgische Roboter. Ein anderer interessanter Bereich ist die medizinische Versorgung zu Hause: Überwachung älterer Patienten, Medikationskontrolle oder Messung von Vitalfunktionen wie Puls, Blutdruck oder Blutsauerstoffgehalt sind hier zu nennen.

In der Industrieautomatisierung geht es um erhöhte Produktivität/Energieeffizienz und um Sicherheit. Dazu tragen wir mit genauester und schneller Positions-Sensorik sowie mit optischen oder induktiven Sensorlösungen bei für Lichtvorhänge oder Abstandsmessungen.

Im Bereich Infrastruktur und Gebäudetechnik geht es um Energieeinsparungen, Sicherheit und Komfort. Speziell optische Sensorik eignet sich hervorragend, um Gefahren zu erkennen, Energie über die Stromaufnahme zu reduzieren und das Wohlbefinden des Menschen zu steigern. Das ist ein grober Überblick, unser Spektrum ist natürlich sehr viel weiter.

Kommen bei Kundenentwicklungen die Anwender mit Problemen zu Ihnen oder gehen Sie mit einer Lösung auch auf Unternehmen zu?

Dr. Stockmeier: In der klassischen Weise kommen die Anwender mit einer Idee zu uns. Immer häufiger aber haben Kunden das Bedürfnis nach neuen Ideen. Da wir Einblicke in fast alle Industrien, eine Vielzahl an Technologien und ein gutes Netzwerk haben, erzielen wir mit dem Kunden einzigartige Lösungsmodelle. Diese gilt es nun in die Realität umzusetzen; manchmal muss man den Wunsch etwas eindämmen, manchmal können wir es sogar noch besser machen. Während der Kommunikation mit dem Kunden entsteht eine Spezifika­tion, mit der unsere Entwickler arbeiten.

Es kommt aber auch vor, dass die Ergebnisse unserer Technologie- und Designforschung für den einen oder anderen Kunden interessant sein könnten, dann gehen wir auf ihn zu.

Nehmen wir die Medizintechnik als Beispiel: Hier konnten wir die Bildqualität der Röntgen-CT durch Verbesserung des Elektronikrauschens deutlich erhöhen. Dies führte zu einer geringeren Strahlenbelastung und Kontrastmitteldosis für Patienten, verbesserten Diagnosemöglichkeiten und höherem Durchsatz. Kundennutzen ist für uns oberste Priorität.

Das ist vielleicht auch etwas, das uns von vielen Wettbewerbern unterscheidet: Wir als Integrated Device Manufacturer – mit unserer eigenen Technologie und eigenem Design – können beides miteinander verschränken.