Bildverarbeitung Banknotentest an der Supermarktkasse

Neue Zehn-Euro-Banknote in verschiedenen Wellenlängenbereichen.
Neue Zehn-Euro-Banknote in verschiedenen Wellenlängenbereichen.

Irgendwann kommt im Leben eines jeden Geldscheins der Moment, in dem er die notwendigen Qualitätsanforderungen nicht mehr erfüllt – oder sich gar als Fälschung entlarvt. Das soll in Zukunft nicht nur in den Banken passieren, sondern immer mehr auch in Supermärkten und an Tankstellen.

Seit zwei Wochen ist der neue Zehn-Euro-Schein im Umlauf. Dank modifizierter Farben, neuer Wasserzeichen und einer Speziallackierung soll er robuster und vor allem vor Fälschungen noch sicherer sein. Doch auch für die nun neu gedruckten 4,3 Milliarden Banknoten kommt irgendwann der Moment, wo die Scheine nicht mehr den Qualitätsanforderungen der Europäischen Zentralbank genügen und aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Und das soll zukünftig nicht mehr nur an Banken oder streng kontrollierten Bankautomaten geschehen, sondern mehr und mehr auch zum Beispiel in Supermärkten oder Tankstellen, also überall dort, wo große Mengen Bargeld kursieren.

Hierfür mangelt es jedoch an automatischen, kompakten und kostengünstigen Lösungen. Um Echtheit und Verwendbarkeit der Geldscheine sicherzustellen, hat sich das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS in Dresden im Europäischen Verbundprojektprojekt EUROTHENTIC mit sechs Partnern aus sechs Ländern zusammengetan, ein Modul zu entwickeln, das Banknoten z. B. an der Kasse eines Supermarktes automatisch prüft und einzieht. Umgekehrt sollen die Banknoten auch als Wechselgeld wieder ausgegeben werden können. Deshalb muss das Gerät erstens prüfen, ob der Geldschein echt ist, und zweitens entscheiden, ob der Geldschein für den weiteren Umlauf »fit« oder zu stark verschlissen ist. Dies lässt sich weitgehend aus den optischen Eigenschaften der Banknote beurteilen, indem sie zunächst durch einen geeigneten Bildaufnehmer erfasst und anschließend mittels Software analysiert werden.

»Eine Aufgabenstellung wie für uns geschaffen«, sagt Projektleiter Dr. Uwe Schelinski, »denn bei der Bildaufnahme können wir unsere Kompetenz in der Bilderfassung mit geeigneten Sensoren und moderne Verfahren der Signalverarbeitung einbringen«. Neben der Integration einer zeilenförmigen Bildaufnahmeeinheit in ein elektromechanisches Kassettensystem zur Gewinnung der erforderlichen Bildinformationen während des Banknotentransports haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer IPMS eine leistungsfähige Steuer- und Verarbeitungselektronik in das Gesamtsystem eingebracht. Dabei übernehmen ein Mikroprozessor und die zugehörige Software die Auswertung der gewonnenen Bildinformation und liefern schon kurz nach der Eingabe eines Geldscheins die Information, ob dieser echt und fit ist. Das technische Resultat steht den am Projekt beteiligten Industriepartnern zur Verfügung.

Wer sich für die Kompetenzen des Fraunhofer IPMS interessiert, kann sich auf der Bildverarbeitungsmesse Vision in Stuttgart vom vierten bis sechsten November 2014 ein Bild machen. Besucher finden die Ausstellung des Fraunhofer IPMS am Stand 1H73.