CES 2014 Wie Fahrzeuge lernen, um die Ecke zu schauen

Öffnet vom 07.bis10.Januar in Las Vegas ihre Pforten: Die Consumer Electric Show.
Öffnet vom 07.bis10.Januar in Las Vegas ihre Pforten: Die Consumer Electric Show.

Automotive ist auf der CES schon lange kein Fremdwort mehr. Die neuen Produkte und Konzepte, die es dieses Jahr vom 07.bis 10.Januar in Las Vegas zu sehen gibt, reichen von innovativen Fahrzeugstudien über Konzepte für das vernetzte Fahrzeug bis hin zu Pilotprojekten für das automatisierte Fahren.

Audi zeigt die Technikstudie Sport Quattro Laserlight Concept. Sie soll an den klassischen Sport Quattro von 1983 erinnern und zugleich mit den jüngsten Technologien der Marke beim Plug-in-Hybridantrieb, bei Bedienung und Anzeige sowie in der Lichttechnologie in die Zukunft weisen.

Bei den Doppelscheinwerfern demonstriert der OEM eine Kombination aus Matrix-LED und Laserlicht. Im Inneren der Scheinwerfer sind je zwei flache, trapezförmige Körper zu erkennen. Der äußere generiert über Matrix-LEDs und eine Blende das Abblendlicht, der innere das Laser-Fernlicht. Die Laserdioden sind kleiner als LED-Dioden, ihr Durchmesser beträgt nur wenige Mikrometer. Mit fast 500 m Reichweite leuchtet das Laser-Fernlicht etwa doppelt so weit und dreimal so lichtstark wie LED-Fernlicht.

Der Innenraum der Studie ist ganz auf den Fahrer fokussiert. Das Multifunktions-Sportlenkrad trägt zwei Tasten, mit denen der Fahrer den Hybridantrieb beeinflussen kann, einen roten Start-Stopp-Knopf, eine Taste für das Fahrdynamiksystem Audi Drive Select und eine „View“-Taste zur Steuerung des Audi Virtual Cockpit.

Auf dem großen TFT-Display sind alle wichtigen Informationen in hochaufgelösten, dreidimensional wirkenden Darstellungen zu sehen; ein Tegra-30-Prozessor vom Nvidia berechnet die Grafiken. Der Fahrer kann zwischen unterschiedlichen Modi wechseln. So dominieren im MMI-Modus Anzeigen wie die Navigationskarte oder die Medien-Listen und in der klassischen Ansicht tritt der Tacho in den Vordergrund.

Fast alle Funktionen lassen sich mit dem MMI-Terminal auf der Konsole des Mitteltunnels steuern. Sein großer Dreh-Drücksteller, der auch als Touchpad dient, lässt sich in vier Richtungen schieben; vier Tasten – für das Hauptmenü, die Funktionsmenüs, die Optionen und den Rücksprung – umgeben ihn auf drei Seiten.

Die Bedienung korrespondiert mit einer Menüstruktur, die mit ihrem intuitiven Charakter an ein Smartphone erinnert. Alle häufig genutzten Funktionen lassen sich schnell erreichen. Für die meisten Eingaben sind dank einer neuen Freitextsuche nur wenige Schritte nötig. Für eine Navigationsadresse genügen zumeist vier Zeichen. Mit Multitouch-Gesten auf dem Touchpad kann der Fahrer rasch in Listen scrollen oder das Kartenbild zoomen.

Der Plug-in-Hybridantrieb verleiht dem Konzeptfahrzeug seine Dynamik. Die Systemleistung beträgt 515 kW / 700 PS, das Systemdrehmoment 800 Nm. Sie gelangen über eine modifizierte Acht-Stufen-Tiptronic auf den Quattro-Antriebsstrang, der ein Sportdifferenzial an der Hinterachse mitbringt. Im Mittel begnügt sich das Showcar nach der einschlägigen Verbrauchsnorm mit 2,5 Litern Kraftstoff pro 100 km, entsprechend einer eine CO2-Emission von 59 Gramm pro km.

Als Verbrennungsmotor dient ein Vierliter-V8 mit Biturbo-Aufladung; er mobilisiert 412 kW / 560 PS und 700 Nm Drehmoment. Das System Cylinder on Demand (COD), das bei Teillast vier Zylinder stilllegt, und ein Start-Stopp-System machen den Achtzylinder sehr effizient. Zwischen dem 4.0 TFSI und dem Getriebe ist ein scheibenförmiger Elektromotor platziert, der 110 kW / 150 PS und 400 Nm abgibt. Er bezieht seine Antriebsenergie aus einer Lithiumionen-Batterie im Heck, die 14,1 kWh speichert – genug für bis zu 50 km elektrische Fahrstrecke. Zum Laden dient eine Audi-Wallbox, die für optimale Energiezufuhr sorgt.

Ein intelligentes Management regelt das Zusammenspiel der Motoren nach Bedarf. Der Fahrer kann zwischen drei Modi umschalten. Im EV-Modus arbeitet allein der Elektromotor, mit seinem hohen Drehmoment treibt er das Showcar auch außerhalb der Stadt kräftig an. Das aktive Fahrpedal signalisiert dem Fahrer mit einem sich verändernden Widerstand den Übergang in den Hybridmodus, so dass er ihn bewusst steuern kann. Der Fahrer kann die Betriebsstrategie über die Hold- und Charge-Funktion im MMI gezielt beeinflussen, etwa, wenn er für die letzten Kilometer am Zielort elektrische Energie zur Verfügung haben möchte. Das Fahrdynamiksystem Drive Select hält weitere Regelmöglichkeiten bereit. Den einzelnen Fahrprofilen sind unterschiedliche Stufen der Rekuperation zugeordnet.

Automatisiertes Fahren im Fokus

BMW gibt Aus- und Einblicke in zukünftige Entwicklungen und neuen Anwendungen für Vernetzung und hochautomatisiertes Fahren im Grenzbereich. Mit einem neuartigen, hochautomatisiert fahrenden Forschungsprototypen demonstriert der Automobilhersteller durch perfektionierte Regelungstechnik höchste Sicherheit auch am fahrdynamischen Limit. Der Versuchsträger belegt auf der abgesperrten Rennstrecke zusätzlich die Leistungsfähigkeit einer neuen Generation von Regelsystemen. Diese greifen aktiv in die Fahrtrichtungsentscheidung ein und koordinieren gleichzeitig perfekt die elektrisch gesteuerte Lenkung mit Bremse und Fahrpedal. Damit gehen sie einen entscheidenden Schritt weiter als bisher eingesetzte Systeme, die auf unter- und übersteuernde Fahrzeuge durch gezielte Bremseingriffe reagieren.

Lass die Sonne in Dein Herz

Ford stellt ein Konzeptfahrzeug mit Solar-Stromversorgung aus. Der Ford C-Max Solar Energi Concept soll die große Reichweite eines Plug-in-Hybrids mit der Unabhängigkeit vom Stromnetz kombinieren - die Batterie wird über Solarmodule geladen. Laut Ford soll der C-Max mit einer speziellen Linse ähnlich einem großen Brennglas durch die täglichen Sonnenstrahlen so viel Energie bekommen wie bei einer vierstündigen Aufladung am Stromanschluss. Nach Angaben des OEM verbraucht das Modell 2,4 l Kraftstoff pro 100 km. So könne das Solar-Auto rund vier Tonnen Treibhausgase pro Jahr im Vergleich zu einem durchschnittlichen Wagen einsparen, erklärte das Unternehmen. Das Solar-Hybrid-Projekt betreibt Ford gemeinsam mit dem Georgia Institute of Technology und der kalifornischen Firma SunPower Corp.

Vernetzung und Sicherheit

Continental zeigt erste in Zusammenarbeit mit IBM entwickelte Produktkonzepte. Beide Unternehmen wollen im Rahmen ihrer Zusammenarbeit die Fahrzeughersteller bei der Einführung vernetzter Funktionen auf dem breiten Markt unterstützen. Zu den ersten Produktkonzepten gehören der Vernetzte Elektronische Horizont und die natürliche Sprachverarbeitung. „Es ist nicht nur so, dass Autofahrer einen stärker digitalisierten Lifestyle wünschen, die Vernetzung des Fahrzeugs eröffnet auch ein riesiges Feld von Diensten, die für mehr Sicherheit, Effizienz und Komfort beim Fahren sorgen“, betont Helmut Matschi, Leiter der Division Interior und Vorstandsmitglied von Continental. „Zusammen mit IBM können wir nun neue Möglichkeiten für das voll vernetzte Fahrzeug präsentieren.“

Automobilzulieferer Delphi bringt u.a. sein Infotainment-System MyFi nach Las Vegas mit. Ablenkung, beispielsweise durch die Nutzung des Internets beim Fahren, führt schnell zu Fahrfehlern, die wiederum in Unfällen resultieren. Hierfür wurde MyFi entwickelt, das Infotainment-Funktionen und Netzanbindung mit Warn-, Sensor- und Fahrassistenzfunktionen koppelt. Das System weist Eigenschaften wie Spracherkennung, Sprachausgabe von Text, großflächige Touchscreen-Bildschirme, frei konfigurierbare Displays oder Daten-Management-Technologien auf. MyFi warnt den Fahrer vor potenziell gefährlichen Verkehrssituationen, Staus, drohendem Sekundenschlaf uvm. - wahlweise über akustische oder visuelle Signale. Das System verfügt über eine individuelle HMI-Schnittstelle. Informationsangebote im Kernsichtfeld des Fahrers lenken ihn weit weniger ab, so dass sich das Unfallrisiko minimieren lässt.

Harman zeigt in Las Vegas die nächste Generation seiner skalierbaren Infotainment-Plattform für Fahrzeuge. Ihre Systemarchitektur mit HTML-5-basierter Anwendungsumgebung soll die schnelle Entwicklung und Bereitstellung von Apps für das vernetzte Auto ermöglich und gleichzeitig die Systemsicherheit durch moderne Netzwerksicherheitstechnologien garantieren. Per Typ-1-Hypervisor getrennte Domains sorgen dafür, dass wichtige Fahrzeugfunktionen vor fehlerhafter oder schädlicher Software geschützt werden. Darüber hinaus integriert die Plattform Fahrerassistenzfunktionen wie Kollisionswarnung, Spurhalteassistent und andere sensorbasierte Sicherheitsfeatures. Hierdurch können diese in einer breiten Palette von Fahrzeugmodellen einfach zur Verfügung gestellt werden. Die neue Infotainment-Plattform steht ab sofort für OEMs zur Implementierung bereit und soll innerhalb der nächsten zwei Jahre in Fahrzeugen auf der Straße verfügbar sein.

Unter dem Codenamen „Logan“ hatte Nvidia den Nachfolger des Tegra-4 entwickelt, als Tegra-K1 wurde der Chip jetzt in Las Vegas offiziell vorgestellt. Erste Großabnehmer neben Mobilgeräte-Herstellern werden Automobil-OEMs wie Audi sein, dessen Elektronik-Entwicklungschef den K1 schon vorab mit Lob überschüttete.

Neusoft Automotives präsentiert auf der CES seine Embedded Navigation "One Core". Bei dieser Navigationslösung liegt die technische Innovation im hoch modularen Aufbau der Software-Architektur bei hoher grafischer Qualität. Die Lösung kann künftig in jedem Land der Welt mit den entsprechenden Navigationsdatenbanken eingesetzt werden - der modulare Aufbau gewährleistet eine länderunabhängige Funktion. One Core lässt sich individuell auf die Bedürfnisse der Anwender abstimmen: Durch ihre hohe Skalierbarkeit ist die Software in unterschiedlichen Leistungsstufen verschiedener Infotainment-Systeme einsetzbar – von Low-End bis High-End. Außerdem sind System-Architekturen und Datenbanken leichter an die Wünsche und Anforderungen der Automobilhersteller anzupassen.

Das Auto lernt selbst zu fahren. Wie das aussehen kann, untersuchen verschiedene Projekte. Eines davon ist das Projekt Véhicule Urbain Electrique (VUE) der Universität Sherbrooke in Québec, Kanada. Elektrobit präsentiert das Projekt gemeinsam mit dem VUE-Projektteam.

Bilder: 10

CES 2014

Automotive-Themen gefragt wie nie in Las Vegas