Abgasskandal Kritik an Ergebnissen des Diesel-Gipfels wird schärfer

Der Gipfel am vergangenen Mittwoch sollte Ruhe in die Diesel-Debatte bringen. Seitdem wächst die Kritik an den beschlossenen Maßnahmen. Aber es gibt auch Stimmen, die den Diesel verteidigen.

Immer mehr Experten und Politikern kritisieren die Ergebnisse des Diesel-Gipfels als unzureichend. Die vereinbarten Software-Updates seien nicht ausreichend wirksam, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie dringt wie auch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sören Bartol auf Umrüstungen der Motoren. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vermisst nach wie vor einen »tragfähigen Vorschlag zur Lösung des Diesel-Problems«. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) warnte vor einer Kriegserklärung an die Branche.

Beim Dieselgipfel am Mittwoch hatten die deutschen Autobauer zugesagt, selbst Umstiegsprämien für Besitzer alter Diesel zu finanzieren. Für weniger Stickoxid-Ausstoß sollen zudem 5,3 Millionen Fahrzeuge der Klassen Euro 5 und 6 eine neue Software erhalten. Darunter sind 2,5 Millionen Autos von VW, für die nach dem Skandal um Abgasmanipulationen Nachrüstungen amtlich angeordnet wurden. Umbauten an Motoren, die teurer und aufwendiger wären, lehnt die Branche ab.

Auf deutschen Straßen sind Millionen Diesel-Pkw unterwegs, die mehr Schadstoffe ausstoßen als bei Tests auf dem Prüfstand. Im Fokus steht besonders Stickoxid (NOx). Laut Umweltbundesamt reizt es die Atemwege, langfristig beeinträchtigt es die Lungen und führt zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen.

Software-Updates können Fahrverbote nicht verhindern

Hendricks rechnet aufgrund der Software-Updates mit einem Rückgang der Stickoxid-Emissionen von weniger als zehn Prozent. Das reiche nicht aus, um Fahrverbote zu verhindern. »Die Autobranche muss nachlegen«, sagte sie dem Spiegel. Sie dringt auf eine Nachrüstung der Motoren. »Eine Arbeitsgruppe des Nationalen Dieselforums hat das klare Mandat, technische Umrüstungen an Euro-5- und Euro-6-Fahrzeugen zu prüfen«, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Sie fügte mit Blick auf die Hersteller hinzu, es dürfe »keine Lösung ausgeschlossen werden«, um den Schaden wieder gutzumachen. »Ich rate diesen Managern dringend, von ihrem hohen Ross runterzukommen.«

Bartol forderte eine technische Umrüstung der alten Diesel-Fahrzeuge, »die günstiger als der Neukauf ist«. Viele Besitzer älterer Autos der Schadstoffklassen Euro 3, Euro 4 und auch Euro 5 könnten sich keinen Neuwagen leisten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die von deutschen Marken beim Diesel-Gipfel zugesagten Prämien für den Kauf neuer, sauberer Fahrzeuge könnten daher »nur eine mögliche Lösung« sein. Er erwarte von den Herstellern, dass sie innerhalb eines halben Jahres marktgängige technische Konzepte zur Schadstoffreduzierung direkt an den Motoren liefern, machte Bartol deutlich.