2. Elektronik automotive Bordnetz Kongress Das Nervenzentrum des Fahrzeugs

War am 24.09.2013 Treffpunkt für die Bordnetz-Community: die Hochschule Landshut.
War am 24.09.2013 erneut Treffpunkt für die Bordnetz-Community: die Hochschule Landshut.

Am 24.09.2013 fand in der Hochschule Landshut zum zweiten Mal in Folge der Bordnetz Kongress der Elektronik automotive statt. Rund 170 Teilnehmer (zusammen mit dem Elektromechanik Kongress) suchten Trends und Neuigkeiten zu den Themen Architektur, Leichtbau, Mehrspannung und Hochvolt oder EMV. Parallel dazu konnten Interessenten sich über die neuesten Entwicklungen des Vehicle Electric Container (VEC) informieren.

In gewohnt charmanter Manier leitete Prof. Dr. Dieter Nazareth durch den Tag und hieß die Teilnehmer „im Bordnetzzentrum Landshut herzlich willkommen“. Zehn Vorträge und eine Keynote standen auf dem Programm. "Wenn man als Bordnetzer nicht rechtzeitig mit der Thematik anfängt, hat man schon verloren", brachte Wolfgang Kull, Leiter Bordnetze und Einbauten bei Volkswagen, es kurz und knapp auf den Punkt. Er brachte den Zuhörern die „Methodik der Baukasten-orientierten Bordnetzentwicklung“ nahe. Kull betonte, dass mit wachsender Zahl von Elektroniksystemen und Funktionen, sich die Komplexität im Entwicklungsprozess erheblich erhöht. Ein Beispiel: der VW Golf. Hatte der VW Golf 3 aus dem Jahre 1993 noch 58 Ausstattungsparameter, waren es im VW Golf 5 von 2003 bereits 359. Heute sind es im Golf 7 bereits 410 Ausstattungsparameter. Um diese Komplexität möglichst zu reduzieren, gleichzeitig aber wirtschaftlich effizient zu agieren und möglichst viele Ausstattungsvarianten abbilden zu können, setzen die Wolfsburger auf die Baukasten-orientierte Bordnetzentwicklung (MBE). Mit der Umsetzung dieses Konzeptes generiert der Automobilhersteller in sämtlichen Bereichen des Bordnetzes hohe Synergieeffekte, denn es lassen sich zum einen die Entwicklungsaufwendungen und die Materialeinzelkosten minimieren. Zum anderen können die Erprobungstiefe erhöht und der Gesamterprobungsaufwand reduziert werden. Als großer Treiber für die Weiterentwicklung des Bordnetzes sieht Kull die elektrischen Antriebe, die Anbindung des Fahrzeugs an die bestehende Infrastruktur, moderne Fahrerassistenzsysteme und das autonome Fahren sowie eine deutliche Senkung des CO2-Ausstosses.

Der Vormittag stand unter dem Motto „E/E-Architektur“ und beinhaltete die folgenden Vorträge:

  • E/E-Architekturbewertungen in der Frühphase: Timing-Abschätzungen, Zielpuls und Symtavision
  • Optimierung des Physical Layers für Ethernet im Fahrzeug, Rosenberger Hochfrequenztechnik
  • Power-Management und Absicherung der Interoperabilität in CAN-Netzen bei Teilnetzbetrieb, Hochschule Deggendorf
  • Elektronische Komponenten für Bordnetz-Applikationen, Vishay

Nach der Mittagspause startete die Session „Bordnetz und Kabelbaum“. Hier setzte Oliver Druhm von der Dräxlmaier Group frische Impulse mit seinem Ausblick auf das Bordnetz 2025 plus. Druhm sieht die Entwicklung durch die Punkte Wirtschaft, Klima- und Umweltschutz sowie Technologie stark beeinflusst. Insbesondere die technologische Seite wird durch Faktoren wie 48 Volt, Hochvolt, Backbone-Architektur, -Versorgungsarchitektur und –Kommunikationsarchitektur sowie Automatisierung und Energie-Management stark beeinflusst.

Anschließend folgten die Themen:

  • Rechnergestützte Bordnetzdimensionierung in der Praxis, Leoni Bordnetz-Systeme
  • Simulation der elektrischen Belastbarkeit von Bordnetzen und ihren Komponenten, Universität der Bundeswehr München
  • Kalibrierbares Messsystem zur transienten Charakterisierung von Hochvolt-Bordnetzen, Rosenberger
  • Bestimmung der EMV von Hochvolt-Kabeln, -Steckern, und –Komponenten per Triaxialverfahren, bedea Berkenhoff & Drebes

Den Abschluss bildetet ein Vortrag aus dem Hause Robert Bosch zum Thema „Electrical Overstress bei Automobil Halbleitern – Vermeidung durch voreilende Messekontakte.

In einer parallelen Session fand wie im letzten Jahr der VEC-Day unter Leitung von Dr. Steven Vettermann, ProSTEP iVIP, statt. In dieser Session war der Vormittag von der Theorie geprägt. Hier gab es die Vorträge:

  • Vehicle Electric Container: Einführung und Anwendungsszenarien, 4Soft
  • Der Weg in die Bordnetz-Zukunft aus Sicht eines Konfektionärs, Delphi
  • Neue Perspektiven im Bordnetz-Entwicklungsprozess durch VEC, Aucotec
  • Der Bordnetz-Entwicklungsprozess 2030: Betrachtung der erforderlichen Prozessinfrastruktur, IAV

Der Theorie folgte die Praxis: Im Workshop „Bordnetz innovativ“ waren die Teilnehmer angehalten, Anwendungsszenarien für den Standard in Kleingruppen zu erarbeiten. Hierbei wurden Problemfelder diskutiert, beispielsweise wie sich der Bordnetz-Prozess effizienter gestalten lässt, welche veränderten Rahmenbedingungen zu erwarten sind oder welche Tools zum Einsatz kommen können.

Weitere Informationen finden Sie in der Novemberausgabe der Elektronik automotive.

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Bordnetz Kongress Elektronik automotive

Zweites Treffen in Landshut