Halbleiter-Versorgung ZVEI sagt Lieferengpässe voraus

Autozulieferern droht nach Angaben des Zentralverbands der Elektroindustrie (ZVEI) eine Produktionsunterbrechung. Der Grund: Bei den Halbleiter-Herstellern laufen Bestellungen immer kurzfristiger ein, ohne dass die Produktions- und Beschaffungszeiten berücksichtigt werden.

Ganz von der Hand zu weisen sind die ZVEI-Befürchtungen sicher nicht: Zum einen hat der generelle Nachfrage-Rückgang bei Halbleitern zu einer Kapazitätsanpassung der Fertigung geführt, in vielen Unternehmen wurde oder wird kurzgearbeitet. Zu den rückläufigen und schwankenden Absatzzahlen kommen noch fehlende Abnahmegarantien der Autozulieferer hinzu. Die Folge: Die Halbleiter-Hersteller produzieren nicht mehr auf Vorrat. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Bestellzeiten des Rohmaterials für Wafer bis zu fünf Monate betragen können und der Herstellungsprozess eines Chips 16 bis 20 Wochen in Anspruch nimmt, lässt sich leicht ausmalen, dass es zu Lieferengpässen kommen kann.

Politik hilft Halbleiterherstellern

Eine ganz andere – politische – Entscheidung sollte den Halbleiterherstellern Mut für die Zukunft machen: Nachdem das Jahr 2009 eine historische Veränderung am automobilen Weltmarkt mit sich gebracht hat (im ersten Halbjahr überholte China erstmals mit 6,1 Mio. verkauften Autos die USA, die nur auf 5,8 Mio. kamen), hat man scheinbar auch in den USA begriffen, wie man den Autoverkauf ankurbelt. Das so genannte „Car Allowance Rebate System“ (CARS) gewährt Käufern von umweltfreundlichen Neuwagen Kredite zwischen 3500 und 4500 Dollar. Das Marktforschungsinstitut Databeans hat versucht, diese positiven politischen Entwicklungen in eine Vorhersage für den automotiven Halbleitermarkt zu überführen: Nach dem absoluten Tiefpunkt im Februar mit einem weltweiten Umsatz von nur noch 913 Mio. Dollar soll im September erstmals nach Oktober 2008 wieder der Umsatz von 1,5 Mrd. Dollar geknackt werden. Bis Ende des Jahres wird diese Zahl mehr oder weniger stabil bleiben, ab 2010 wird dann ein kontinuierliches Wachstum erwartet.

Ins positive Bild passen auch Meldungen über Infineon, Freescale, STM und Renesas. Während Infineon dank einer Kapitalerhöhung seine Finanzprobleme quasi mit einem Schlag lösen konnte, wurden Freescale,  STMicroelectronics und Renesas vom Zulieferer Continental mit dem „Supplier of the year 2008“-Award für herausragende Leistungen ausgezeichnet. Der Autozulieferer Magna Electronics und der deutsche Halbleiterhersteller Semikron beschlossen die Gründung eines Joint-Ventures im Bereich Elektro-und Hybridfahrzeug. Der Satz des Monats kommt jedoch von Microsoft-Gründer Bill Gates, der Automobil-Elektronik und PC-Industrie verglich: „Wenn GM bei der Technologie-Entwicklung mit der Computer-Industrie Schritt gehalten hätte, würden wir heute alle Autos fahren, die 25 Dollar kosten und mit einer Gallone Benzin (3,9 l) 1000 Meilen (1609,344 km) fahren könnten."