Leserbrief Unterwegs mit dem Nissan Leaf

Elektronik-automotive-Leser Herbert Hanselmann hatte die Gelegenheit in Japan das Elektrofahrzeug Nissan Leaf in der Praxis zu testen. Hier sein Erfahrungsbericht.

"Das Auto bietet ausreichend Platz für vier Personen, man sitzt hinten etwas erhöht und angenehm. Der Kofferraum nimmt bei Bedarf auch zwei Getränkekisten auf, da die Wanne unten größer ist, während oben wenig Kofferraumtiefe gegeben ist. Karosserieseitig ist der Leaf damit ein vollwertiges Auto. Auch das Fahrgefühl ist gut und man ist in der Stadt flott unterwegs.

Die Testfahrt führte auf rund 250 km von Tokyo (Shinagawa) über die Raststätte Ebina nach Odawara und dann weiter nach Hakone und Ashinoko. Für den Rückweg wurde ein geänderte Route gewählt, die wieder nach Ebina führte. Etwa zwei Drittel der Strecke waren Expressway, der Rest Bergstrecken. Die Klimaanlage wurde, trotz des schwülwarmen Wetters, nur zu Beginn und am Ende für einige Minuten angestellt. Dank der Temperatureinstellung auf 26 °C wurde aber nur wenig Kühlleistung angefordert.

Die gesamte Reisezeit betrug 8,5 Stunden, wovon 2,5 Stunden auf die Ladephasen entfielen. Dreimal wurde nachgeladen, immer an Hochleistungsladestationen, die mit 400 V arbeiten und zumindest zu Beginn des Ladevorgangs einen Strom von typischerweise 120 A liefern Das sind immerhin 48 kW, also 20 Mal soviel wie aus einer deutschen Steckdose kommt! Für den Fall dass man keine freie Hochleistungsladestation findet, liegt ein dünneres Kabel mit einer Ladeschnittstelle bei, das aber auch nicht in die normale Haushalts- oder Bürosteckdose passt, sondern für kleinere, schwächere Ladestationen geeignet ist. Dementsprechend ist das Nachladen während des Ausflugs nur an Hochleistungsladestationen sinnvoll.

Nach dem Aufladen liegt die angezeigte Reichweite meist um die 145 km. Geht es dann mal den Berg hoch sackt das ganz fix um ab und die 'Range Anxiety' beginnt. Bergab bleibt die Reichweite dann allerdings stehen oder steigt sogar wieder.

Deshalb ist man laufend am Schauen wo man wieder laden könnte, was natürlich die Routen-Planung beeinfluss. Die einzigen Lademöglichkeiten, die wir gefunden haben, waren die erwähnten Hochleistungsladestationen. Davon gab es auch an den Großraststätten immer nur einen. Ist der besetzt, heißt es warten. In unserem Fall waren diese Ladestationen glücklicherweise immer frei, weil E-Autos auch in Japan noch bestaunte Spezialgeräte sind.

Man braucht für die Ladestationen eine spezielle Karte, um sie zu aktivieren. Das Ladegerät schreibt nach Beendigung des Ladevorgangs dem Fahrer eine E-Mail, die dieser ggf. per Smartphone empfängt. Allerdings erfolgt diese Benachrichtigung erst, wenn der Akku voll ist. Will man zwecks Zeitersparnis nur 75 Prozent aufladen, geht das noch nicht. Wird aber noch kommen…