Tata Motors: Das »People´s Car« ist da!

Vor Detroit kommt erst mal Delhi, und hier stellt heute Tata Motors das billigste Auto der Welt vor. Unglaubliche 1700 Euro soll es kosten und auch noch fahren. Experten erwarten, dass es die Branche aufmischen wird.

Das Warten hat ein Ende. Die Motorwelt schaut heute auf Neu Delhi, wo die Auto Expo 2008 (10. bis 17. 1.) begonnen hat. Tata zeigt erstmals sein mit Spannung erwartetes »One Lakh Car«, das laut Tata-Chef Ratan Tata wie geplant 100.000 Rupien kosten wird, das sind umgerechnet 1700 Euro. Der Tata Nano soll dieses Jahr auf den indischen Markt kommen und erfüllt nach Angaben des Herstellers die Euro-IV-Norm. Der Viersitzer ist 3,10 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,60 Meter hoch, hat 33 PS und soll fünf Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen.

Tata plant zunächst, 250.000 Stück des Nano zu produzieren und erwartet mittelfristig eine jährliche Nachfrage von rund einer Million. Der Nano soll vor allem die Mitglieder der indischen Mittelschicht motivieren, vom Motorroller aufs Auto umzusteigen, was Klimaschützern schon jetzt den Atem raubt.
       
Mit dem Einfachstauto beginnt nach Einschätzung von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer eine neue Ära auf dem Automobilmarkt. In seiner aktuellen Studie vertritt er die These »Der Markt für Billigautos wird in den nächsten dreizehn Jahren das am schnellsten wachsende Marktsegment im Weltautomobilgeschäft.« Er geht davon aus, dass bereits 2015 30 Prozent aller Neuwagen in den Emerging Markets Einfachstautos sein werden und sieht gravierende Veränderungen für die europäische Automobilindustrie: »Die Emerging Markets werden zum Zuliefer- und Einkaufszentrum für die europäischen Autohersteller.« Das Tata-Auto ist für Dudenhöffer die »Innovation des Jahres 2008«, sein provozierendes Fazit lautet: »Damit werden alle Show Cars in Detroit über Nacht langweilig.«

Die Bedeutung des indischen Marktes für deutsche Hersteller und Zulieferer kommentierte heute auch Achim Rauber, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der Auto Expo in New Delhi: »Indien wird für die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer als Produktionsstandort und Markt immer wichtiger. So haben sich die Pkw-Exporte deutscher Pkw-Marken nach Indien im Jahr 2007 verdoppelt. Unsere Zulieferer konnten ihre Ausfuhr nach Indien allein in den ersten neun Monaten 2007 gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres mit 154 Mio. Euro um mehr als die Hälfte steigern.«

Bosch hat das schon vor allen anderen erkannt. Das schwäbische Unternehmen hat eine lange Tradition in Indien. Schon 1952 stieg Bosch bei der indischen Motorenfirma Mico ein und hat noch weitere Tochterfirmen in Indien. Jetzt kann der Bosch-Konzern seinen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz ausspielen und auf kräftige Gewinne hoffen: Die Schwaben sind Schätzungen zufolge der größte Zulieferer für das Tata-Auto.