Stellenabbau durch Automobilkrise geringer als erwartet

Laut Berichten des VDA hat die deutsche Automobilindustrie ihre Stammbelegschaft weitestgehend gehalten. Grund hierfür ist die Abwrackprämie, die dem Absatz auf dem Binnenmarkt einen Schub verliehen hat.

»Obwohl der Branchenumsatz in den ersten vier Monaten des Jahres um mehr als 40 Prozent zurückgegangen ist, sank die Zahl der Beschäftigten in den Stammbelegschaften in den vergangenen zwölf Monaten nur um 2,4 Prozent auf 729.800 Mitarbeiter«, erklärte Matthias Wissmann, Präsident des VDA. Bei den Zulieferunternehmen sieht dies aber anders aus: Hier waren wesentlich mehr Entlassungen zu verzeichnen. Zudem hatte bereits zuvor eine Vielzahl von Zeitarbeitern ihre Anstellung in der Automobilindustrie verloren.

Die Bestellungen und die Produktion in der deutschen Automobilindustrie haben zuletzt zugelegt und sogar den Vorjahreswert übertroffen. Seit Jahresbeginn stiegen laut VDA die Neuzulassungen in Deutschland um 27 Prozent auf 2,4 Mio. Fahrzeuge – rund eine halbe Mio. Autos mehr als in den ersten sieben Monaten des Geschäftsjahres 2008. Dabei hat der inländische Auftragseingang der deutschen OEMs in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um knapp ein Viertel über dem Vorjahreswert gelegen. Da der Auftragsbestand wohl weiterhin hoch bleiben wird, könnte sich die Produktionslage in den deutschen Werken weiter stabilisieren. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet der VDA mit einem Volumen von rund 3,5 Mio. Fahrzeugen.

Der VDA-Präsident sieht hierbei die Abwrackprämie als treibende Kraft und stabilisierendes Element: »Dank der gut 550.000 Anträge, die das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bisher bearbeitet hat, zeigt sich, dass über die Hälfte aller prämienbedingten Zulassungen auf deutsche Konzernmarken fällt.« Aber die zusätzliche Nachfrage kommt nicht allen OEMs gleichermaßen zugute. »Es ist nicht zu bestreiten, dass es eine asymmetrische Erfolgsverteilung gibt, weil sich die geschaffenen Nachfrage schwerpunktmäßig auf die Hersteller kleinerer und kompakter Fahrzeuge beschränkt«, so Wissmann weiter.

Allerdings ist damit die weltweite Absatzkrise in der Automobilindustrie dadurch nur etwas verschoben worden. »Es wäre vermessen, die Zuwachsraten des ersten Halbjahres bei den Neuzulassungen einfach fortzuschreiben«, betonte Wissmann. »Dieses hohe Niveau wird im kommenden Jahr sicherlich nicht zu erreichen sein«. Ein weiteres Indiz dafür ist die Tatsache, dass die deutsche Automobilindustrie stärker vom Erfolg auf den Auslandsmärkten abhängig ist als von dem auf dem Heimatmarkt. Die deutsche Automobilindustrie fertigt jährlich rund 11 Mio. Autos, verkauft aber in der Bundesrepublik davon aber nur rund zwei Mio. Fahrzeuge. »Die weitere Entwicklung wird entscheidend davon abhängen, ob die internationalen Märkte mittelfristig wieder Tritt fassen«, resümierte Wissmann abschließend.