Halbleiterhersteller Software-Entwicklung nach Automotive-SPICE-Level 2

Die Entwicklung von Software ist in der Halbleiterindustrie relativ neu. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen die Hersteller dieses Thema jedoch ernst nehmen. Der Halbleiterhersteller Renesas Electronics beschäftigt sich seit einiger Zeit sehr intensiv mit Software-Qualität und Entwicklungsprozessen. Der vorliegende Artikel beschreibt die Erwartungen und die Vorgehensweise bei der Einführung des Automotive-SPICE-Level 2 am Standort Düsseldorf.

Die Aufgabe bestand für Renesas Electronics darin, einen Software-Entwicklungsprozess zu definieren, der einen nicht zu großen Overhead liefert, aber trotzdem den Anforderungen von Automotive SPICE gerecht wird. Als Basis diente der „new HIS Automotive SPICE Scope“ [4]. Nach Analyse der Entwicklungsaufgaben wurde der Umfang für den Software-Entwicklungsprozess im Software Competence Centre (SCC) festgelegt (Bild 1).

Hierbei kommt das Prozessgebiet ACQ.4 Lieferanten-Management nur bei externen Lieferanten zum Tragen. Aufgrund der Abstimmung mit dem Renesas-Standort Japan und weiteren internen Erfordernissen wurde der Umfang um das Risko-Management (MAN.5) erweitert.

Der Prozessstandard Automotive-SPICE wurde gewählt, da die Mehrheit der europäischen Kunden, OEMs und auch Zulieferer, diesen Standard in ihren Ausschreibungen als Anforderung an ihre Lieferanten aufgenommen haben. Auch HIS fordert dieses Bewertungsmodell als Standard.

Da für Renesas Electronics das Thema SPICE-Prozess-konforme Software-Entwicklung noch neu ist, wurde externe Hilfe hinzugezogen und die Method Park AG mit der Unterstützung beauftragt.

Das Team des SCC, hier das Flash Library Centre (FLC), sollte das Prozess-Verbesserungsprojekt durchführen. Von vornherein war geplant, das ganze Team an dem Projekt zu beteiligen, um die neuen Prozesse so schlank und so nah wie möglich an den aktuell gelebten Prozessen auszurichten. Um die Prozesse auch portabel zu gestalten, wurde ein zweites Team im SCC, das AUTOSAR-Team, in die aktive Arbeit eingebunden. So bestand das Projekt-Team aus fünf Mitarbeitern des FLC und sechs Mitgliedern des AUTOSAR-Teams. Neben dem Team in Europa waren auch Mitarbeiter der Software-Qualitätsabteilung der Microcomputer Software Division aus Japan an dem Projekt beteiligt. Damit wurde sichergestellt, dass der neue Automotive-SPICE-konforme Prozess mit dem in Japan angewandten CMMI-konformen Software-Entwicklungsprozess kompatibel ist.