Teil 5: MOST für die Übertragung von Multimediadaten Serielle Bussysteme im Automobil V

Ein Auto der Premiumklasse ähnelt zunehmend einem mobilen Büro. Auf Wunsch des Kunden drängen immer mehr moderne Unterhaltungs- und Informationsmedien in das Kraftfahrzeug...

Teil 5: MOST für die Übertragung von Multimediadaten

Ein Auto der Premiumklasse ähnelt zunehmend einem mobilen Büro. Auf Wunsch des Kunden drängen immer mehr moderne Unterhaltungs- und Informationsmedien in das Kraftfahrzeug. Zu den wichtigsten Herausforderungen gehört dabei, den Verkabelungsaufwand gering zu halten und gleichzeitig den gestiegenen Anforderungen an den Funktionsumfang eines Infotainmentsystems im Fahrzeug gerecht zu werden. In circa 50 Modellreihen kommt daher bereits das Bussystem MOST (Media Oriented System Transport) zur Übertragung von Audio- und Videosignalen zum Einsatz.

War früher das Autoradio einziges Infotainment-Gerät, kamen im Laufe der Zeit CD- und MP3-Player, Navigationsgeräte und schließlich auch Bildschirme für die Wiedergabe von Videound DVD-Filmen hinzu. Darüber hinaus lassen Bluetooth-Freisprecheinrichtungen mit integriertem Mikrofon und iPod-Steuerung das Cockpit allmählich zum Multimedia-Center werden, über das sich alle Playlisten und Verzeichnisse eines digitalen MP3-Players direkt auf dem Fahrzeugdisplay anzeigen und auch starten lassen.

Der ohnehin bereits umfangreiche Verkabelungsaufwand nimmt durch die weiter ansteigende Vernetzung der immer leistungsfähigeren Infotainmentgeräte kaum mehr handhabbare Ausmaße an. Glücklicherweise erkannten einige Kfz-Hersteller schon früh, welche Vorteile die Busvernetzung auch für diesen Bereich zu bieten hat. Mitte der 1990er Jahre begannen BMW und Daimler auf der Basis des von Matsushita und Philips entwickelten D2B-Bus (Digital Data Bus) eine einheitliche Kommunikationstechnologie zur seriellen Übertragung von Audio- und Videosignalen im Fahrzeug zu entwickeln.

Die MOST Cooperation

1998 gründeten BMW, Daimler, Harman/ Becker und SMSC (vormals OASIS Silicon Systems) die MOST Cooperation [1]. Inzwischen hat sich MOST als De-facto-Standard für die Übertragung von Multimediadaten im Fahrzeug etabliert; die MOST Cooperation umfasst 15 internationale Fahrzeug- und mehr als 70 Gerätehersteller. Die MOST-Spezifikation liegt seit Oktober 2006 in der Version 2.5 vor. Sie gliedert sich in die Bereiche Application, Network und Hardware.

Der Bereich Application beschreibt ein logisches Gerätemodell zur transparenten Modellierung und Steuerung von verteilten Infotainment-Systemen und basiert in erster Linie auf Methoden der Objektorientierung. Weiterhin definiert er ein hierarchisches Kommunikationsmodell sowie Dienste zur Verwaltung eines Infotainment-Systems.
Die Network Section beschreibt den „MOST Network Interface Controller“ und seine Dienste, das Netzwerkmanagement sowie die Handhabung des Datentransports in einem MOST-System. Die Hardware Section setzt sich mit der Hardware-Struktur eines MOST-Gerätes auseinander.

Zur Übertragung der Audio- und Videosignale im MOST-System sind heute Lichtwellenleiter aus Polymerfasern (POF; polymeroptische Faser) Stand der Technik (Kasten). In der Summe sind die technischen Eigenschaften der Polymerfasern denen elektrischer Übertragungsmedien weit überlegen. Zu erwähnen ist vor allem die hervorragende elektromagnetische Störfestigkeit und die vergleichsweise hohe Signalübertragungsgeschwindigkeit von bis zu 500 Mbit/s. Außerdem stellt die Kombination aus POF, roter Leuchtdiode als Lichtquelle und einer Silizium-PIN-Fotodiode als Empfänger eine sehr günstige und vergleichsweise einfach handhabbare Form der optischen Signalübertragung dar.

Mit MOST150 geht nach MOST50 aktuell ein MOST-System an den Start, dem diese Sender- und Empfänger-Technik zugrunde liegt und dem Anwender eine Übertragungsgeschwindigkeit von 150 Mbit/s zur Verfügung stellt. Die im Auto vergleichsweise kurzen Strecken von bis zu 20 m sind damit problemlos zu bewältigen.