Simulationswerkzeuge Realistische Verbrauchswerte schon im virtuellen Fahrversuch ermitteln

Reale Verbräuche in virtueller Umgebung messen.
Reale Verbräuche in virtueller Umgebung messen.

Stand bei simulierten Tests bislang vor allem die Fahrdynamik im Mittelpunkt, gewinnt nun auch die frühzeitige Erfassung von praxisnahen Verbrauchswerten an Bedeutung. Moderne Werkzeuge ermöglichen solche Abschätzungen bereits in der Anfangsphase der Fahrzeugentwicklung.

Auch wenn später offiziell nur die Verbrauchswerte aus dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) angegeben werden, wollen die Entwickler schon so früh wie möglich wissen, was ein Fahrzeug tatsächlich verbrauchen wird. Und zwar unter realistischen Bedingungen – und nicht nur unter den speziellen Vorgaben für den genormten Fahrzyklus. Mit einer offenen Integrations- und Testplattform, wie etwa "CarMaker" von der IPG Automotive GmbH, lassen sich reale Teststrecken durchgängig in die Simulation und auf Prüfstände verlagern.

Die virtuellen 3D-Straßen werden dabei entweder als digitale Kartendaten (z.B. von NAVTEQ, Bing, Google Earth) oder als real vermessene Prüf- und Rennstreckendaten importiert. Damit lässt sich jede gewünschte Kundenstrecke für die Messungen im Realbetrieb auf dem Prüfstand einsetzen. Auf diesen 3D-Straßen können virtuelle Fahrzeugprototypen mit verschiedenen Fahrern auf virtuelle Testfahrt geschickt werden. Da die Fahrermodelle unterschiedliche verbrauchsrelevante Fahrstile beherrschen – von sportlich bis sparsam – bilden sie die große Bandbreite an realem Kundenverhalten ab. Während der Testfahrt reagieren die virtuellen Testfahrer wie im echten Straßenverkehr auf unterschiedliche Verkehrsszenarien oder befolgen Manöveranweisungen. Das reicht von Anfahren am Steilhang über plötzliches Kurvenbremsen bis hin zu anspruchsvollen Aufgaben im Zusammenspiel mit Fahrerassistenzsystemen etwa in Stausituationen.

Die so erzielten Testergebnisse sind jederzeit reproduzierbar und vergleichbar, da die Testbedingungen exakt wiederholt werden können. So lassen sich im virtuellen Fahrversuch tatsächlicher Verbrauch und Emissionsverhalten eines neuen Fahrzeugtyps oder Antriebskonzepts analysieren und optimieren. Auch die Effizienz der Betriebsstrategien eines Hybridfahrzeuges oder die Reichweite von Elektrofahrzeugen lässt sich frühzeitig ermitteln. Das schützt vor späteren Überraschungen und unterstützt Entwicklungsingenieure dabei, den besten Kompromiss aus Dynamik und Effizienz zu finden.