Daimler Pionier beim autonomen Fahren

Die Version vom autonomen Fahren wird sich nicht über Nacht verwirklichen lassen, sondern Schritt für Schritt erfolgen. Neben den technischen Herausforderungen in puncto intelligente Assistenzsysteme müssen vor allem Anpassungen an die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der gesellschaftliche Diskurs erfolgen.

Als im August 2013 ein schwarzer Mercedes-Benz von Mannheim nach Pforzheim fuhr, erregte das Auto immer wieder die Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer. Bei dem Fahrzeug handelte es sich um die neue S-Klasse, die erst im Mai der Weltöffentlichkeit vorgestellt worden war. Doch die eigentliche Leistung dieser Fahrt blieb Fußgängern, Radlern und Autofahrern weitestgehend verborgen: Der S 500 Intelligent Drive war komplett hochautomatisiert unterwegs, das heißt ohne aktive Lenkeingriffe des Fahrers. Eine große Leistung im komplexen Stadt- und Überlandverkehr: 103 km, 18 Kreisverkehre, 155 Ampeln und 24-mal Einfädeln musste das Forschungsfahrzeug autonom, also selbstständig, bewältigen. Damit haben wir 125 Jahre nach der ersten automobilen Fernfahrt durch Bertha Benz auf derselben Strecke erneut Geschichte geschrieben.

Das eigentlich Revolutionäre an dieser außergewöhnlichen Fahrt ist aber, dass in dem Forschungsfahrzeug nur seriennahe Technik verbaut wurde. Alle verwendeten Sensoren, Kameras, Radare und Ultraschall kommen bereits heute in Mercedes-Benz-Serienfahrzeugen zum Einsatz. Was die Entwicklungs-Ingenieure geändert haben, ist die Menge und Anordnung der Sensoren, um eine umfassende Abdeckung der kompletten Fahrzeugumgebung in alle Richtungen zu erreichen (Bild). Damit hat Mercedes-Benz bewiesen, dass hochautomatisiertes Fahren auch abseits der Autobahn technisch möglich ist.

Schrittweise zum ­autonomen Fahren

Dennoch wird die Vision vom autonomen Fahren nicht über Nacht Wirklichkeit werden. Fakt ist: Wir nähern uns mit einzelnen Innovationen und Lösungen für klar definierte Verkehrssituationen schrittweise diesem Ziel. Schon heute bieten wir zum Beispiel in der neuen Mercedes-Benz-S-Klasse mit dem Fahrerassistenzsystem Distronic Plus mit Lenkassistent und Stop&Go-Pilot einen Tempomaten, der im zähfließenden Verkehr eigenständig sowohl den Abstand zum Vordermann als auch die Spur hält. Nimmt der Fahrer die Hände vom Lenkrad, aktiviert sich die Seitenführung nach spätestens 15 s. Damit bietet das System genau das, was es sein soll: eine Unterstützung und Entlastung in Situationen, in denen Autofahren wenig Spaß macht, zum Beispiel im morgendlichen Stau.

Die nächste Stufe wird das sogenannte hochautomatisierte Fahren sein, das den Fahrer zeitweise von seiner Rolle entlastet und abschnittsweise die Fahraufgabe selbst übernimmt. Wir erwarten, dass erste hochautomatisierte Fahrsysteme auf bestimmten Straßentypen, beispielsweise auf Autobahnen oder in wenig komplexen Fahrsituationen wie etwa beim Parken, bereits in einigen Jahren Realität werden können. Das vollautomatisierte Fahren ohne jeden Fahrereingriff auf beliebigen Streckenabschnitten wird aber noch einige Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte Zeit brauchen. Hier gibt es neben der Forschungs- und Entwicklungsarbeit auch noch viele Fragen zur Rechtslage zu klären.

Egal in welcher Ausprägung, unsere Vision vom autonomen Fahren steht im Zeichen der Kernstärken von Mercedes-Benz: Sicherheit und Komfort. Damit ist sie auch eng mit unserer Vision vom unfallfreien Fahren verbunden. Wir wollen, dass Autofahren so risikoarm wie möglich ist, während gleichzeitig der Genuss des Fahrens erhalten bleibt. Natürlich soll der Fahrer nicht zum bloßen Mitfahrer gemacht werden, doch gibt es im alltäglichen Verkehr genügend Situationen, in denen Autofahren mehr Last als Lust ist. In vielen urbanen Ballungsräumen bedeutet schon heute Pendelverkehr wenig Bewegung, viel Stillstand. Nach der Ankunft am Ziel, bei der Parkplatzsuche, ist es dann umgekehrt: hektisches Suchen, kein Platz zum Stehenbleiben. In solchen Situationen ist zukünftig ein autonom agierendes Fahrzeug eine Wohltat: Es bringt zuerst die Insassen zum gewünschten Ziel und macht sich dann eigenständig auf die Suche nach einem freien Parkplatz. Das mag noch nach Science Fiction klingen, wird aber noch vor Ablauf der Dekade in und mit einem Mercedes-Benz möglich sein.