Passive Sicherheitssysteme lernen sehen und hören

Mit neuen Sicherheitssystemen will Continental den Insassenschutz weiter verbessern. Hierfür soll die Steuerung der passiven Sicherheitssysteme auf die Daten bereits installierter ESC-Systeme zurückgreifen und drohende Unfälle früher erkennen können.

Durch die Auswertung von Daten aus dem in vielen Autos bereits vorhandenen ESC, aber auch durch Einbindung von Radar- oder Kamerasensoren aus Fahrerassistenzsystemen in die Steuerung der passiven Sicherheit ist es möglich, einen drohenden Unfall Sekundenbruchteile früher zu erkennen. Damit können Airbags, Gurtstraffer oder Kopfstützen schneller aktiviert und somit Fahrer und Beifahrer noch besser geschützt werden. »Die Vernetzung der Crash-Sensorik mit Technologien der Fahrerassistenzsysteme öffnet der passiven Sicherheit völlig neue Möglichkeiten, kritische Fahrsituationen bereits vor dem Crash als solche zu erkennen und zu klassifizieren«, erläutert Dr. Andreas Brand, Leiter des Geschäftsbereichs Passive Safety & ADAS der Continental Division Chassis & Safety.

Bis zu 30 verschiedene Airbags stehen inzwischen in modernen Fahrzeugen zur Verfügung, um die Fahrzeuginsassen bei einem Unfall vor folgenschweren Verletzungen zu bewahren – neben Sicherheitsgurten mit Gurtstraffern, die bei dem Zusammenprall die Passagiere in möglichst optimaler Position fixieren. Diese passiven Sicherheitssysteme haben innerhalb der letzten 20 Jahre den Weg von der Oberklasse in nahezu jedes Fahrzeug gefunden. Weitere  Verletzungen lassen sich dadurch verhindern oder in ihren Folgen lindern, indem das Fahrzeug selbsttätig unmittelbar vor dem Unfall Schiebedach oder Fenster schließt, damit keine Gegenstände eindringen können, den Sitz in eine möglichst perfekte Position bringt und auch die Kopfstützen so platziert, dass langwierige Schleudertraumata verhindert werden können.

Das Zeitfenster, um diese Sicherheitssysteme zu aktivieren, ist allerdings extrem eng bemessen. »Eine Herausforderung für die Sensorik ist es, das Unfallgeschehen frühzeitig zu klassifizieren, um optimalen Insassenschutz zu gewährleisten«, so Dr. Brand weiter. Bis dato »fühlt« das Airbag-Steuersystem – über seine Beschleunigungssensoren – beim ersten Kontakt mit dem Unfallpartner – jetzt lernt es auch sehen und hören und kann damit weit früher reagieren.

Den Unfall »voraussehen« - mit Radar, Video, Infrarot und ESC-Daten

Bei Fahrzeugen, die mit Fahrerassistenzsystemen ausgestattet sind, bieten sich vielfältige Möglichkeiten, gefährliche Situationen durch deren Umfelderfassungssensoren frühzeitig zu erkennen und so Unfälle zu vermeiden. Kommt es trotzdem zum Aufprall, stellen die Sensoren den Systemen der passiven Sicherheit Informationen über die Unfallsituation bereit und helfen so, die Folgen zu mindern. »Die Vernetzung der Elemente der passiven Sicherheit mit Fahrerassistenzsystemen, Bremsen und elektronischer Stabilitätskontrolle optimiert den Insassenschutz bereits in einer Notbremssituation. Sie reduziert die Aufprallenergie, während gleichzeitig die reversiblen Aktoren arbeiten«, erklärt Dr. Brand.