Orcan Industries: Strom aus LKW-Auspuff

Die Jungwissenschaftler der Start-up Firma Orcan Industries entwickeln ein Mini-Dampfkraftwerk für LKWs und Busse, um aus deren Abwärme Energie zu gewinnen. Ende des Jahres soll die Idee in der Praxis getestet werden.

Die neue Technologie wurde von Andreas Schuster und Richard Aumann am Lehrstuhl für Energiesysteme der TU München entwickelt. Das Team gewann damit den Münchener Businessplan Wettbewerb 2008. Die Wissenschaftler machen sich den Organic Rankine Cycle (ORC) zunutze, der bereits im 19. Jahrhundert erfunden wurde. Das ORC-Prinzip wird von der Industrie bei der Nutzung von Prozesswärme angewandt. Technische Weiterentwicklungen sollen nun die Möglichkeit bieten, Strom aus Auspuffgasen zu gewinnen und damit Spritkosten und CO2-Emissionen zu senken.

Das Team von Orcan Industries fand sich im Rahmen der studiumsbegleitenden Zusatzausbildung an der Bayerischen EliteAkademie zusammen. Die Stiftung der bayerischen Wirtschaft fördert jedes Jahr 30 ausgesuchte Studenten. Die sechs Mitglieder sind zwischen 26 und 30 Jahre alt und arbeiten zum Teil noch an ihren Diplom- oder Doktorarbeiten. »Die jungen Leute sind wirklich enorm motiviert, dieses Projekt Wirklichkeit werden zu lassen«, sagt Franz Durst, akademischer Leiter der EliteAkademie. Bald soll es erste Tests des Prototypen bei Referenzkunden geben.

Die jungen Wissenschaftler von Orcan haben es geschafft, den Prozess bei 100 Grad Celsius anstatt bei bisher bei 300 Grad Celsius in Gang zu setzen. Auch ist das Modul deutlich kleiner und leichter, so dass sich der Einsatz bei Bussen und LKWs lohnt. Der Geschäftsführer von Orcan, Mathias Bertele, nimmt an, dass sich mit dem Modul bis zu zehn Prozent Sprit einsparen lassen. »Für die Stadt Berlin mit ihren 1.300 Bussen würde sich die Investition schon nach eineinhalb Jahren amortisieren«, sagt Bertele.

Bis die Patentierung abgeschlossen ist, soll die genaue Funktionsweise der Erfindung geheim bleiben. Orcan Industries will seine Idee Ende des Jahres von einem Busunternehmer im Allgäu testen. Die Module werden dort an sechs Schulbussen installiert.