Automatisiertes Fahren Neue Prüfmethodik für Sicherheitssysteme

Roboter steuern Gas, Bremse und Lenkung im Erprobungsfahrzeug von Mercedes-Benz.

Für den Praxistest von neuen Assistenzsystemen setzt Mercedes-Benz bei sicherheitskritischen und von Menschen nicht präzise reproduzierbaren Fahrmanövern als erster OEM Autopiloten auf geschlossenen Testgeländen ein.

Das "Automatisierte Fahren" soll die Entwicklung, Prüfung und Absicherung von Assistenzsystemen und anderen Sicherheitsfunktionen unterstützten. Tests im Grenzbereich lassen sich so ohne Gefahr und gesundheitliche Belastung für die Entwickler durchführen. Zudem lassen sich die Prüfungen mit hoher Präzision durchführen, um der wachsenden Komplexität neuer Assistenzsysteme gerecht zu werden.

"Mit künftigen Assistenzsystemen werden wir noch komplexere Verkehrssituationen adressieren können und damit weitere Unfallschwerpunkte – etwa den Kreuzungsbereich - entschärfen“, erläutert Prof. Bharat Balasubramanian, Leiter Produktinnovationen & Prozesstechnologien in der Konzernforschung und Vorentwicklung von Daimler. "Die neue Erprobungsmethode des automatisierten Fahrens hilft dabei, unsere bei Sicherheitssystemen hohen Anforderungen in punkto Qualität und Betriebssicherheit noch effizienter zu erfüllen.“

Bei den eingesetzten Versuchsträgern handelt es sich um Serienfahrzeuge, die mit "Robotern“ für Lenkung sowie Gas und Bremse versehen sind. Ein Bord-Rechner steuert die Autopiloten so, dass ein vorher programmierter Kurs exakt nachgefahren wird – auch wenn mehrere Fahrzeuge an einem Manöver beteiligt sind. Testingenieure im Leitstand überwachen alle Vorgänge und können die Fahrzeuge jederzeit stoppen. Parallel dazu kontrollieren sich die Fahrzeuge selbst und bremsen automatisch ab, sollten sie Unstimmigkeiten feststellen. Mit der technischen Ausrüstung für das "Automatisierte Fahren“ lassen sich alle Modelle von Mercedes-Benz ausrüsten. Zudem lassen sich unterschiedliche Sicherheitssysteme und -ausstattungen erproben.

Neben der Erprobung von Assistenzsystemen kommt das "Automatisierte Fahren“ künftig auch bei Extremtests zum Einsatz. Dabei wird das Fahrzeug Belastungen ausgesetzt, die weit über den Werten liegen, die bei normaler Nutzung im Straßenverkehr liegen. Dies soll gewährleisten, dass beispielsweise Airbags bei einer heftigen Fahrt über eine Rampe oder gegen einen Bordstein nicht versehentlich zünden. Außerdem entfallen Testfahrten mit hoher körperlicher Belastung für den Fahrer. "Um auch in Zukunft auf dem Gebiet der Sicherheit Trends setzen zu können", ergänzt Balasubramanian, "müssen unsere Prüfverfahren mit dem Ideenreichtum unserer Ingenieure mithalten können. Mit dem automatisierten Fahren sehen wir uns gut gerüstet für die Entwicklung der nächsten Generation von Assistenzsystemen."