ZF Mit Power in die Zukunft

Bei einem Race Truck steht noch die schiere Leistung im Vordergrund. Bei modernen Nutzfahrzeugen sind dagegen Verbrauchsreduzierung und intelligente Steuerungssysteme gefragt.
Bei einem Race Truck steht noch die schiere Leistung im Vordergrund. Bei modernen Nutzfahrzeugen sind dagegen Verbrauchsreduzierung und intelligente Steuerungssysteme gefragt.

Ein gewaltiger Truck, der sich einfach per Fingerzeig fernsteuern lässt, ein automatisches Getriebe mit Hybridtechnik oder ein vollelektrischer Linienbus: Mit neuen Produkten und Prototypen zeigt ZF, wie stark Elektrik und Elektronik nun auch die Entwicklung von Nutzfahrzeugen beeinflussen.

Zugegeben, das dumpfe Grollen eines rund 1200 PS starken Race-Trucks ist schon beeindruckend, wenn er trotz Nässe mit einer für einen Lkw aberwitzigen Geschwindigkeit die Teststrecke entlang donnert. Doch in technischer Hinsicht haben die anderen Trucks und Busse, die ZF im Rahmen einer Presseveranstaltung auf dem Aldenhoven Testing Center bei Aachen präsentierte, weit mehr zu bieten. Beim ZF-Innovationstruck etwa fällt gerade die ungewöhnliche Stille beim Rangieren auf: Nur ein leises Knirschen der Reifen ist zu hören, als ein ZF-Mitarbeiter den Lang-Lkw mit einem gewöhnlichen Tablet-PC fernsteuert.

 

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Technik-Highlights von ZF

Technik-Highlights von ZF

Der ZF-Innovationstruck basiert im Wesentlichen auf drei Systembausteinen. Antriebsseitig kommt das neue automatische Getriebesystem ZF-TraXon für schwere Lkw zum Einsatz – genauer in der Variante TraXon Hybrid: Dabei ist in der Kupplungsglocke eine elektrische Maschine integriert, die 120 kW Leistung und 1000 Nm Drehmoment liefert. Hinzu kommt eine im Hybridmodul verbaute Trockenkupplung. Das ermöglicht alle Hybridfunktionalitäten bis hin zum rein elektrischen Rangieren. Die Hochvolt-Batterie des Systems verfügt über genügend Kapazität, um mehrere lokal emissionsfreie Rangiermanöver nacheinander zu bewältigen.

Der zweite Baustein ist die Nfz-Überlagerungslenkung Servotwin. Zusätzlich zur verbrennungsmotorisch angetriebenen Hydraulikpumpe, die die Hauptleistung liefert, verfügt sie standardmäßig über einen E-Motor. So bietet die Servotwin schon in der Serienkonfiguration das Potenzial, autonome Lenkmanöver ohne Fahrereingriff am Lenkrad umsetzen, wie sie für die ferngesteuerte Rangierfunktion im Innovationstruck erforderlich sind. Damit die Ingenieure aber zusätzlich auch das „emissionsfreie Rangieren“ – das heißt die Bereitstellung der nötigen Lenkkraft bei abgeschaltetem Selbstzünder –verwirklichen konnten, entwickelten sie speziell für den ZF-Innovationstruck eine modifizierte Hydraulik-Pumpeneinheit. Diese ist eine rein elektrohydraulische Lösung (Electrohydraulic Power Steering – EHPS): Anstelle des Dieselaggregats treiben zwei Servotwin-Powerpacks die modifizierte Pumpe an.

Dazu kommt noch die Telematik-Anwendung Openmatics. Sie besteht aus einer Onboard- beziehungsweise Connectivity-Unit, Sensorik zur Datenerfassung und spezieller Software. Um einerseits die beiden Knickwinkel von Auflieger und Zentralachsanhänger für die Lenkungssteuerung sowie die Relativposition des Fahrers beziehungsweise Tablets zum Gespann kabellos erfassen zu können, werden jeweils unterschiedliche „Bluetooth-Low-Energy (BLE)“-Tags genutzt: spezielle Funkchips mit geringem Energiebedarf und rund 25 Metern Reichweite. Im ZF-Innovationstruck befinden sie sich an der Rückseite der Fahrerkabine sowie an jeder Ecke von Auflieger und Anhänger. Sobald sich der Abstand zu den BLE-Tags oder zum Tablet verändert, variiert auch die Feldstärke entsprechend. Diese Informationen werden von der Onboard-Unit und dem Bediener-Tablet aufbereitet.