Markt für Autoelektronik weiterhin mit ungebrochenem Wachstum

Dank einer weiteren Zunahme der weltweiten Automobilproduktion um rund 4 Prozent pro Jahr bis 2011 wird auch der Markt für Autoelektronik deutlich zulegen. Gleichzeitig wird der Wert der Elektroniksysteme im Auto weiterhin überproportional ansteigen, wobei Sicherheitsaspekte und Energiesparmaßnahmen im Vordergrund stehen. Der asiatische Markt gewinnt stark an Bedeutung.

Dank einer weiteren Zunahme der weltweiten Automobilproduktion um rund 4 Prozent pro Jahr bis 2011 wird auch der Markt für Autoelektronik deutlich zulegen. Gleichzeitig wird der Wert der Elektroniksysteme im Auto weiterhin überproportional ansteigen, wobei Sicherheitsaspekte und Energiesparmaßnahmen im Vordergrund stehen. Der asiatische Markt gewinnt stark an Bedeutung.

Ihren letzten Einbruch erlebte die Kraftfahrzeugbranche Anfang dieses Jahrzehnts. Doch seit 2003 nahm die Produktion ständig zu – zunächst leicht, dann aber verstärkt. Für dieses Jahr wird sogar ein Wachstum von 4,6 Prozent erwartet. Insgesamt kann für den Zeitraum von 2006 bis 2011 von einer Zunahme der weltweiten Produktion um 4 Prozent pro Jahr ausgegangen werden. Die Gesamtjahresproduktion steigt damit weltweit von 69 Mio. Einheiten im Jahr 2006 auf 84 Mio. Einheiten in 2011 (Bild 1).

Der Markt entwickelt sich allerdings in den verschiedenen Regionen unterschiedlich. Am schwächsten schneiden Nordamerika und Deutschland mit einer mittleren jährlichen Produktionszunahme von 1,6 bzw. 1,7 Prozent ab, während Europa als Ganzes mit einem Stückzahlplus von 3,3 Prozent rechnen kann. Dagegen verzeichnet der Teilmarkt Osteuropa mit 9,6 Prozent pro Jahr ein Wachstum, das mehr als das Doppelte des Weltmarktes beträgt. In Japan muss wegen der weiteren Verlagerung der Kraftfahrzeugproduktion – vor allem nach Asien (China) und zu einem geringeren Teil auch nach Amerika und Europa – ebenfalls von einem weit unter dem Durchschnitt liegenden Wachstum von 0,4 Prozent pro Jahr ausgegangen werden. Demgegenüber ist für Asien ein Produktionsplus von 10,1 Prozent zu erwarten, weitgehend von nichtasiatischen Firmen getragen. Bereits in 2004 hatte die Kfz-Produktion in Asien die in Japan überholt. Bis 2011 wird es weitere erhebliche Veränderungen geben. Zwar wird Europa immer noch die Region mit der höchsten Zahl an produzierten Kraftfahrzeugen sein (Anteil 31,9 %), allerdings dicht gefolgt von Asien (Anteil 30,2 %), während Amerikas Anteil auf 24,3 Prozent schrumpfen wird. China wird bis dahin die USA als Produktionsstandort Nr.1 abgelöst haben. Die USA werden auf den 3. Platz in der Welt nach Japan zurückgefallen sein, trotz der dort ebenfalls hohen Anteilsverluste (Kasten). Allerdings werden auch in fünf Jahren die fünf größten Kraftfahrzeughersteller aus Japan, den USA und der EU kommen.

Kfz-Halbleiter steigern Weltmarktanteil

Da die Ausstattung der Kraftfahrzeuge mit elektronisch gesteuerten Systemen in den nächsten fünf Jahren noch deutlich zunehmen wird, kann auch mit einem erheblichen Wachstum in der Mikroelektronik für den Kraftfahrzeugeinsatz gerechnet werden. Entsprechend der neuesten Mikroelektronik- Trendanalyse des ZVEI (www.zvei.com) sind Steigerungsraten von 12 Prozent pro Jahr zu erwarten. Obwohl in Asien bereits 2004 deutlich mehr Kraftfahrzeuge produziert wurden als in Japan, ist dort die zugehörige Elektronikproduktion am niedrigsten. Bis zum Jahr 2011 wird sich daran nicht viel ändern, trotz der hohen Wachstumsraten. Hierfür nennt Dr. Ulrich Schäfer, Mitautor der Trendanalyse, zwei wesentliche Gründe: Erstens wird bis 2011 noch ein großer Teil der in Asien in die Fahrzeuge eingebauten Elektronik aus Japan und Europa – und hier insbesondere aus Deutschland – importiert. Die großen japanischen und deutschen Autofirmen rüsten ihre im Ausland produzierten Fahrzeuge mit Elektronik aus den jeweiligen Heimatländern aus. Zweitens haben die asiatischen Fahrzeuge einen wesentlich niedrigeren Ausstattungsgrad an elektronischen Geräten.

Der Anteil der Halbleiterbauelemente für den Kraftfahrzeugeinsatz am gesamten Weltmarkt betrug 7,7 Prozent im Jahr 2006 und wird bis 2011 auf 9 bis 10 Prozent steigen. Damit nimmt der Bedarf der Automobilelektronik an Halbleitern schneller zu als der Gesamtmarkt für diese Bauelemente, dessen Wachstum in den letzten zehn Jahren im Mittel auf 6,5 Prozent pro Jahr gesunken ist. Trotzdem ist der Anteil der Automobil-Halbleiter am Gesamtmarkt sehr unterschiedlich. In Europa, insbesondere in Deutschland, hat die Kraftfahrzeug-Applikation einen hohen Stellenwert. So betrug im Jahr 2006 ihr Anteil 18 Prozent, in Deutschland sogar 33 Prozent. Somit war 2006 die Automobilindustrie in Deutschland der größte Abnehmer von Halbleiterbauelementen und hat damit die Datenverarbeitung vom ersten Platz abgelöst. Man kann davon ausgehen, dass 2007 dieser Anteil noch um 1 bis 2 Prozentpunkte gestiegen ist.

Während im Jahr 1985 bei einem mittleren Pkw der Anteil elektronischer Systeme an den gesamten Produktionskosten nur drei Prozent ausmachte, liegt heute dieser Wertanteil bereits bei etwa 22 Prozent des Produktionswertes. Gleichzeitig beträgt der Wertanteil der Halbleiter 12 Prozent. Wegen der zunehmenden Hochintegration elektronischer Systeme können Steuergeräte immer kleiner gefertigt werden. Neue Technologien auch in diesem Bereich ermöglichen es zusätzlich, Geräte direkt mit den von ihnen gesteuerten mechanischen Systemen zu verbinden (Mechatronik). Beide Trends führen dazu, dass der Halbleiteranteil an der Autoelektronik weiter zunimmt und Mitte der 2020er Jahre etwa 65 bis 70 Prozent erreichen wird. Der Wertanteil aller elektronischen Steuerungen im Fahrzeug wird bis dahin auf etwa 30 Prozent und der der Halbleiterbauelemente auf über 20 Prozent der Produktionskosten gestiegen sein (Bild 3). Es ist davon auszugehen, dass dann der Wertanteil der Mikroelektronik konstant bleiben und die weitere Zunahme der der Kfz-Stückzahlentwicklung entsprechen wird. Allerdings wird – zumindest bis 2011 – die Elektronik im Kraftfahrzeug (und damit insbesondere die Mikroelektronik) wesentlich stärker zunehmen als die Zahl der gefertigten Kraftfahrzeuge, wie aus Bild 4 deutlich zu entnehmen ist.

Neue Entwicklungen im Kraftfahrzeugbau, etwa das Fahrzeug mit Hybridantrieb oder das mit einer Brennstoffzelle ausgestattete reine Elektroauto, werden in den nächsten fünf Jahren das Marktgeschehen noch nicht wesentlich beeinflussen. Aber auch wenn Hybrid- oder reine Elektrofahrzeuge die bisherigen reinen Verbrennungsmaschinen verdrängen sollten, wird das die benötigte Elektronik zwar, zumindest im Antriebsstrang, verändern, nicht aber deren Gesamtwert im Fahrzeug beeinflussen. G. Klasche/sj