Freescale: Licht am Ende des Tunnels

Die Finanzkrise traf Freescale besonders hart: Dem Unternehmen brachen mit General Motors und Chrysler gleich beide Top-Kunden weg. Zudem müssen in wenigen Jahren Milliarden-Kredite an die Investoren zurückgezahlt werden. Dennoch: Die Sanierungsaktivitäten von CEO Rich Beyer zeigen Wirkung und geben Anlass zum Optimismus.

Eine größere Transaktion unter Beteiligung von Private-Equity-Investoren hatte es in der Chipbranche noch nicht gegeben: 2006 überwies ein Konsortium aus Blackstone, Carlyle und Texas Pacific 17,6 Mrd. Dollar für Freescale, den ehemaligen Halbleiterbereich von Motorola. Freescale ist unter der Schuldenlast, die ihm die neuen Eigentümer aufgebürdet hatten, fast zusammengebrochen. Dass die größten Kunden in der Autobranche, GM und Chrysler, Gläubigerschutz nach „Chapter 11“ beantragen mussten, machte die Sache nicht besser. In wenigen Jahren ist zudem die Rückzahlung der milliardenschweren Kredite fällig. Gibt es also noch Hoffnung? Wer hinter die Kulissen blickt und die Veränderungen betrachtet, die CEO Rich Beyer eingeleitet hat, hat Grund zum Optimismus.

  • Zunächst hat Beyer die Organisation verschlankt. Im Prozess der weltweiten Produktdefinition hatten zu viele Leute über zu wenige Produkte mitgeredet. Dies hat viel zu lange gedauert. Freescale bringt jetzt mehr Produkte in kürzeren Zyklen auf den Markt, die sich zudem besser vom Wettbewerb differenzieren.
  • Dann hat der neue CEO das Unternehmen auf „kundenorientiertes Denken“ fokussiert. Vor Beyers Zeiten gab es Kunden, die sich wenig beachtet fühlten und deswegen ein Vertrauensdefizit mitbrachten. Dem Vernehmen nach hat sich diese Situation offensichtlich gebessert. Das gilt auch für Partnerfirmen rund um das Freescale-„ Ecosystem“. Viele zweifelten an ihren Investitionen, da „Commitments“ des Chip-Herstellers fehlten.
  • Darüber hinaus wurde eine klare Wachstumsstrategie entwickelt. Bis vor kurzem bestand noch der Eindruck, dass F&E-Gelder mit der Gießkanne in die Projekte verteilt wurden. Nun wurden nach sorgfältiger Analyse 20 besonders wachstumsstarke Bereiche herausgesucht.
  • Schließlich wurde der Entwicklungsprozess selbst modifiziert – mit Erfolg. Man muss nicht lange zurückblicken, um Produkte zu finden, deren Entwicklung zwei Jahre gedauert hat. In einem detaillierten Analyseprozess wurde jedes Element der Produkt-Entwicklung und -Einführung unter die Lupe genommen und verbessert. Als Folge ist die Zeit zwischen Produktdefinition und Auslieferung schon heute gesunken, und das z.T. drastisch.
  • Und „last but not least“ konnte mit Reza Kazerounian ein erfahrener Manager für das strategisch wichtige Mikrocontroller-Geschäft geworben werden. Kazerounian kommt von STMicroelectronics, sein Vorgänger Paul Grimme hatte Freescale in Richtung STM verlassen.

Was bringen diese Maßnahmen? Bei Freescale haben sich bereits erste Erfolge eingestellt: 2009 konnte man gerade im Bereich Automotive Design- Wins verbuchen, und das gegen Wettbewerber, die diese Produkte teilweise jahrelang geliefert hatten. Für den Automobil-Markt zwar irrelevant, aber für die wirtschaftliche Entwicklung von Freescale von großer Bedeutung waren zahlreiche Design-Wins im Bereich Wireless. Hier lautet die Aussage von Freescale, dass man diese ein Jahr zuvor noch nicht gewonnen hätte. Am Ende des Jahres 2009 stand ein Gewinn von 748 Mio. Dollar, nach 7,9 Mrd. Verlust im Geschäftsjahr 2008 mehr als zufriedenstellend. Ebenfalls wichtig: Sollten die Eigentümer in drei bis vier Jahren tatsächlich die Rückzahlung der Kredite verlangen, muss genug Geld auf dem Konto bereitstehen. Immerhin konnten im Jahr 2009 weitere 400 Mio. Dollar auf die Seite gelegt werden, insgesamt beträgt das Geldvermögen des Unternehmens 1,3 Mrd. Dollar.