Klimadebatte verändert Kaufverhalten

Eine große Mehrheit der Käufer in Europa und Deutschland würde bei gleichen Kosten ein „ökologischeres“ Auto kaufen. Noch liegen beim deutschen Verbraucher hinsichtlich Umweltfreundlichkeit die Japaner und Franzosen vorne, aber den deutschen Herstellern wird in den nächsten Jahren viel zugetraut.

Eine große Mehrheit der Käufer in Europa und Deutschland würde bei gleichen Kosten ein „ökologischeres“ Auto kaufen. Noch liegen beim deutschen Verbraucher hinsichtlich Umweltfreundlichkeit die Japaner und Franzosen vorne, aber den deutschen Herstellern wird in den nächsten Jahren viel zugetraut.

Die Klimadiskussion hat die generellen Kaufkriterien für Neuwagen erheblich verändert. Dies ergab die Studie „Auto & Umwelt 2007“, die von der Strategieberatung Oliver Wyman (www.oliverwyman.com) kürzlich vorgestellt worden ist. Zwar sind die vier wichtigsten Kaufkriterien weltweit noch immer Zuverlässigkeit, Sicherheit, Preis-Leistungs-Verhältnis und Gesamtkosten, doch auf Rang 5 folgt jetzt bereits Umweltfreundlichkeit – noch vor Design, Service und Markenprestige. Sollte diese Entwicklung anhalten, geht Automobilexperte und Studienleiter Peter Bosch davon aus, dass sich Umweltverträglichkeit dauerhaft als dritte Grunderwartung neben Zuverlässigkeit und Sicherheit etabliert, ohne dass die meisten Kunden dafür mehr zahlen wollen.

Knapp 80 Prozent der befragten Europäer gaben an, mit ihrem nächsten Autokauf auf die Klimadiskussion reagieren zu wollen. Allerdings ist ein vollständiger Verzicht für die allermeisten keine Alternative. Etwas weniger als die Hälfte will die Kilometerleistung einschränken, aber nur 15 Prozent halten dies für ausreichend. Deshalb beabsichtigen knapp 30 Prozent der europäischen Verbraucher, auf einen umweltfreundlicheren Antrieb umzusteigen. Weitere 12 Prozent wollen ein Auto mit geringerer Leistung kaufen und 9 Prozent ein kleineres Auto anschaffen. Immerhin gaben 18 Prozent an, sich künftig für das Öko-Modell einer Baureihe entscheiden zu wollen, wobei aber nur etwa 13 Prozent dafür auch höhere Kosten in Kauf nehmen würden. Da rund 55 Prozent der Verbraucher nicht über das nötige Hintergrundwissen darüber verfügen, wann ein Auto umweltfreundlich ist oder nicht, wird ein Umweltsiegel gefordert. Immerhin würden drei Viertel der europäischen und 70 Prozent der US-amerikanischen Verbraucher einem unabhängigen Umweltsiegel eine kaufentscheidende Bedeutung beimessen. Auch sprechen sich 75 Prozent der Europäer und 65 Prozent der US-Amerikaner dafür aus, dass der Gesetzgeber den Kauf eines Öko-Autos steuerlich unterstützen soll. Als wichtigstes Merkmal eines Öko-Autos sieht die weitaus größte Mehrheit einen geringen Kraftstoffverbrauch und niedrigen Kohlendioxid- Ausstoß an. Jeweils knapp über 50 Prozent der Verbraucher nennen aber auch recycelbare Materialien.Unter den europäischen Autokäufern gelten heute Toyota, Renault und Peugeot als besonders umweltfreundliche Automarken (Bild). Allerdings gehen sie davon aus, dass sich in zehn Jahren unter den fünf umweltfreundlichsten Marken auch drei deutsche befinden werden. Als besonders aktiv in Sachen Umwelt wird derzeit BMW bewertet. Von Mercedes-Benz erwarten die europäischen Premium-Kunden, in zehn Jahren die umweltfreundlichste Marke zu sein. Volkswagen, schon heute auf Rang 5 der Öko-Liste, wird sich nach Ansicht der europäischen Verbraucher bis dahin an die dritte Stelle setzen können. Deutsche Kunden trauen Volkswagen sogar Platz 1 zu.

Günther Klasche, Elektronik

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