Chipfertigung Ist Moore’s Law tot?

Nach heutiger Auslegung besagt das Moore’sche Gesetz, dass sich die Transistor-Anzahl pro Flächeneinheit und die Rechenleistung durch Halbierung der Strukturgrößen etwa alle 18 Monate verdoppelt. Doch damit ist es bald vorbei, sagt einer der Vordenker von IBM.

Auf dem International Symposium on Physical Design in Portland, Oregon, sagte Carl Anderson, der bei IBMs Server Division das Physical Design leitet, das Ende des Moore’schen Gesetzes voraus. „So wird es nicht weitergehen“, sagte er als einer der „IBM Fellows“, die bei IBM die Weichen der technischen Entwicklung stellen.

Der Halbleiterbranche werde es ähnlich gehen wie der Eisenbahn-, Auto und Flugzeugindustrie: Sie habe ein „Reifestadium“ erreicht, in welchem sich die Innovationsgeschwindigkeit verringert. „In der Eisenbahnwirtschaft hat es im 19. Jahrhundert ein exponentielles Wachstum gegeben. Die Automobilindustrie erlebte es in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Im Flugzeugbau verhielt es sich ähnlich, bis die Testpiloten die Schallgeschwindigkeit erreichten“, erklärte er. „Aber exponentielles Wachstum hat immer irgendwann ein Ende.“ Mit der gewohnten Innovationsgeschwindigkeit werde es nur noch in einigen wenigen Bereichen wie den Multicore-Prozessoren weitergehen. Dazu kommt, dass sich immer weniger Chiphersteller – bedingt durch die notwendigen Investitionen in die Fabs – den Einstieg in die jeweils nächste Prozessgeneration leisten können.

Heute wird angenommen, dass nur noch Intel, die IBM-Allianz (u.a. mit der Foundry Chartered), Samsung und die weltgrößte Foundry TSMC Strukturgrößen unterhalb von 28 nm fertigen werden. Immerhin nannte Anderson drei Technologien, für die das Moore’sche Gesetz einstweilen weiter gelte: optische Datenverbindungen, 3D-Chips und Hardware-Beschleuniger. Optische Verbindungen zwischen Server-Racks werden schon bald Stand der Technik sein, prognostizierte Anderson, gefolgt von optischen Verbindungen zwischen den Chips auf der Leiterplatte. Innerhalb der Chips werde die Weiterleitung von Signalen mittels optischer Methoden jedoch noch einige Jahre auf sich warten lassen.