Nichts geht ohne Kabel Interview mit dem Leoni-Vorstandsvorsitzenden Dr. Klaus Probst

Der Kabelbaum eines modernen Fahrzeugs ist die zweitschwerste Komponente und gleichzeitig das teuerste Zulieferteil. Firmen wie der Kabel- und Kabelsystemhersteller Leoni stehen deshalb vor großen Herausforderungen. In einem Exklusiv-Interview mit der Elektronik automotive gewährt Leoni-Chef Dr. Klaus Probst Einblicke in die weltweiten Aktivitäten des Unternehmens.

Herr Dr. Probst, welchen Umsatzanteil liefert der Automotive-Bereich bei Leoni?

Dr. Klaus Probst: Derzeit liegen wir bei etwa 70 Prozent, wobei wir eigentlich ein Verhältnis von 60 Prozent Automotive und 40 Prozent Non-Automotive anstreben. Das hatten wir vor einigen Jahren - auch Dank einer Vielzahl von Akquisitionen in Non-Automotive-Bereich - erreicht. Bis Ende 2007 konnten wir etwa 30 mittelständische Unternehmen im Kabelsystembereich übernehmen und integrieren. 2008 haben wir aber im Automotive-Bereich die Firma Valeo Wiring Systems hinzugekauft, was den prozentualen Anteil des Automotive-Bereichs wieder vergrößert hat. Mittelfristig streben wir wieder ein 60:40-Verhältnis an, auch wenn dies nicht allein durch organisches Wachstum, sondern nur durch Zukäufe möglich sein wird. Vor allem bei den derzeitigen Zuwächsen im Automotive-Bereich.

 

Das hört sich so an, als ob Leoni die Krise sehr gut verdaut hat.

Dr. Probst: Das stimmt. Wir haben die ersten Auswirkungen der Krise bereits im vierten Quartal 2008 gespürt, 2009 hatten wir mit einem Umsatzeinbruch von etwa 25 Prozent zu kämpfen. Allerdings haben wir bereits im Verlauf des Krisenjahrs 2009 erste Anzeichen einer Erholung gesehen und gleichzeitig mit einem konzernweiten Kostensenkungsprogramm reagiert. Dabei wurden Investitionen gekürzt, das Cashflow-Management optimiert und notwendigerweise auch die Mitarbeiterbasis verkleinert. Im vergangenen Jahr gab es dann eine unerwartet starke Nachfrage über alle Märkte hinweg. Heute sind wir stärker als je zuvor.

 

Die Mitarbeiter, die damals entlassen wurden, werden heute wahrscheinlich händeringend gesucht …

Dr. Probst: Vor der Krise beschäftige Leoni etwa 54.000 Mitarbeiter, von etwa 10.000 mussten wir uns im Rahmen der Krise trennen, wobei hier Hochlohn- und Niedriglohnländer gleichermaßen betroffen waren. Seit Ende 2009 haben wir v.a. in den Niedriglohnländern wieder viele neue Mitarbeiter eingestellt, so dass wir derzeit auf einen Personalstand von gut 56.000 kommen. In den Niedriglohnländern, wie Marokko oder Tunesien, verläuft die Mitarbeitersuche problemlos. In Deutschland, wo wir qualifiziertes Produktionspersonal und Akademiker suchen und in diesem Jahr schon mehr als 100 Stellen geschaffen haben, konnten wir unseren Bedarf an Fachkräften immer zufriedenstellend decken, auch wenn wir erwarten, dass dies in Zukunft schwieriger werden wird. Wir betreiben deshalb u.a. gezieltes Personal-Marketing an Hochschulen und Schulen, um junge Leute für uns zu interessieren, bevor sie von den bekannten Großkonzernen aufgesaugt werden. Im laufenden Jahr wollen wir in Deutschland etwa 100 bis 200 weitere qualifizierte Mitarbeiter einstellen.