Grün, komfortabel und vernetzt #####

Neben den Automobilherstellern zeigte auch die Zulieferindustrie auf der IAA in Frankfurt, wie sie sich die automobile Zukunft vorstellt. Im Zentrum der Entwicklungen steht dabei verstärkt der Fahrer.

Neben den Automobilherstellern zeigte auch die Zulieferindustrie auf der IAA in Frankfurt, die im Oktober 2007 stattfand, wie sie sich die automobile Zukunft vorstellt. Im Zentrum der Entwicklungen steht dabei verstärkt der Fahrer.

Ein komplettes Konzeptfahrzeug zeigte der Cockpit-Spezialist Johnson Controls (www.jci.com). Auffällig ist dabei vor allem das Fahrerinformationssystem, das anstatt der üblichen analogen Instrumente auf ein TFT-Display setzt, in dem verschiedene Informationen wie Tempolimits, Schaltempfehlungen oder situationsabhängige Warnungen dargestellt werden können (Bild 1). Die Geschwindigkeit wird über einen kosteneffizienten, mechanischen Ringzeiger angezeigt. Die Beleuchtung der dazugehörigen Ziffernskala erfolgt über eine platzsparende Elektrolumineszenzfolie, kann aber bei Bedarf auf LED-Beleuchtung umgerüstet werden.

Zusätzliche Informationen lassen sich in einem Head Medium Display (HMD) darstellen, das über der Hutze aus dem Instrumententräger herausfährt und in dem sich verschiedene Informationen mittels Projektion darstellen lassen. Die Projektion ist dabei gegenüber konventionellen Head-up- Displays deutlich leichter zu bewerkstelligen, da die Anpassung des Strahlengangs an die Windschutzscheibenform entfällt. Ziel der Projektion ist auch beim HMD, ein virtuelles Abbild vor dem Fahrzeug zu erzeugen, um einen wiederholten Blickwechsel zwischen Fahrbahn und Instrumententafel zu vermeiden.

Auch der Beifahrer des Konzeptfahrzeuges erhält individuelle Informationen auf einem eigenen, hochauflösenden Display dargestellt, das zudem die hochwertige Gestaltung des Innenraums unterstützen soll.

Schlüsselloser Zugang

Eine weitere Innovation des JCI-Konzeptfahrzeuges stammt von dem Zulieferer Marquardt (www.marquardt.de), der sich durch elektromechanische Kompetenz auszeichnet. Die Zugangs- und Startkontrolle PASS (Passive Access and Start System) wird von Marquardt unter dem Namen Magic Entry vertrieben (Bild 2). Der Fahrer benötigt dabei an Stelle eines Schlüssels eine Identifikationseinheit, mit der er das Fahrzeug öffnen bzw. schließen und starten kann. Waren für die bereits verfügbaren Zugangssysteme separate Steuergeräte nötig, so lässt sich das Marquardt-System in ein vorhandenes Zentralsteuergerät integrieren, um Kosten und Bauraum zu sparen. Zusätzliche Vorteile ergeben sich durch den Einsatz von 20 kHz als Kommunikationsfrequenz. Neben verringerter Störanfälligkeit und geringerem Energieverbrauch kommt das System mit lediglich drei statt der üblichen fünf Antennen aus, die zudem im Fahrzeuginnenraum platziert werden können. Zur Ansteuerung der Antennen wurden von Marquardt zwei ASICs entwickelt, die wegen des integrierten Powermanagements auch auf externe Spannungswandler verzichten können.

Als Zusatzfunktion kann an die Identifikationseinheit auch der Status einzelner Fahrzeugfunktionen (Türverriegelung, Licht, Reifendruck) übermittelt werden. Bei der BlueID-Technik der Firma baimos technologies (www.baimos.de) wird zwischen dem Fahrzeug und dem Mobiltelefon eine Bluetoothbasierte, aber sichere Verbindung aufgebaut. Enthält das Mobiltelefon den richtigen digitalen Schlüssel, der vorher per Textnachricht eingegangen sein muss, lässt sich das Fahrzeug öffnen und auch starten.

Neues aus dem Bereich der Antennentechnik zeigte die Hirschmann Car Communication GmbH (www.hirschmann-car.com). Basierend auf einer neu entwickelten Antennen-Folientechnik wurde ein Antennensystem vorgestellt, das sich komplett in den beiden Außenspiegeln eines Fahrzeuges integrieren lässt (Bild 3). Das System besteht aus Antennen für Radio- (AM/FM) und Fernsehempfang, Mobilfunk und Navigation sowie in jedem Spiegel einem Antennenverstärker. Die Antennenstrukturen werden dabei zunächst auf eine Folie aufgebracht und diese dann in das Spiegelgehäuse integriert oder schon während des Spritzprozesses eingebracht. Das Konzept kann bei allen Kunststoffspiegeln Anwendung finden, auch bei Transportern und Lkws.

Wie vielfältig Bedienung sein kann, zeigte der Schalterspezialist Preh (www.preh.com) mit seinen frei programmierbaren Funktionstasten (FPT). Während die Bedieneigenschaften dieser Tasten denen von normalen Schaltern ähneln, wird die eigentliche Funktion, beispielsweise eines Tasten-Arrays, über einen zusätzlichen Drehschalter festgelegt. Die aktive Funktion ist durch ein integriertes LCD ersichtlich, das über ein spezielles Projektionsverfahren Icons mit einer Auflösung von derzeit 120 dpi darstellt.

Premiere feierte auf der IAA auch das Mittelkonsolenkonzept PrehCon, bei dem verschiedene, neuartige Bedieneinheiten kombiniert werden. Die gesamte Konsole wurde in der Black- Panel-Technik ausgeführt, bei der die Funktionssymbole erst bei eingeschalteter Zündung sichtbar werden. Diese Technik lässt sich auch auf metallische Oberflächen übertragen; eine Kunststofftaste wird dabei von einer nur wenige Nanometer dicken Metalloberfläche überzogen, die ebenfalls erst bei Hinterleuchtung das Funktionssymbol zu erkennen gibt.

Effizient zeigt sich das Konzept zur Bedienung von Lüftungsstärke und -verteilung über nur einen Stellknopf. Abhängig von der über konventionelle Drucktasten gewählten Funktion, verfügt der Stellknopf über unterschiedliche Rasterungen und erlaubt so eine eindeutige Zuordnung. Zusätzlich zum bewährten zentralen Bedienknopf wurde ein Touchpad mit erweitertem Funktionsumfang integriert (Bild 4).

 So lassen sich spezielle Tasten, etwa die Tastatur eines Telefons, nachbilden. Über eine geschickte elektromechanische Ansteuerung erhält der Benutzer sogar eine haptische Rückmeldung über das Drücken dieser virtuellen Tasten.

Basierend auf der Microsoft-Auto- Software will Siemens VDO (www.siemensvdo.com) spätestens 2009 eine neue Generation von Infotainmentsystemen auf den Markt bringen, mit der sich mobile Geräte leichter in Fahrzeuge integrieren lassen (Bild 5). Ziel der Kooperation von Microsoft (www.microsoft.com) und Siemens VDO ist die Anpassung der unterschiedlichen Produktlebenszyklen von Fahrzeug- und Unterhaltungselektronik. Während sich Microsoft auf die Weiterentwicklung der Software-Plattform Microsoft Auto und insbesondere Multimedia-Anwendungen fokussieren will, ist Siemens VDO für den Systementwurf und die Integration in Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme verantwortlich.

Auf Energieeffizienz ausgerichtet zeigte sich der amerikanische Zulieferer TRW (www.trwauto.com). Er stellte mit dem System ESC-R ein elektronisches Stabilitätsprogramm vor, das optional die Bremsenergie zurückgewinnen kann. ESC-R ist ein modulares, hydraulisch geschlossenes System, das auf Basis eines konventionellen ESP-Systems aufsetzt und speziell für Hybrid-Fahrzeuge geeignet ist. Zusätzlich wurde mit dem ECC-System eine neue Strategie für die Steuerung des Heiz-/Klimasystems vorgestellt. Die bei der ECC enthaltenen, proprietären Steueralgorithmen sorgen bei gleichbleibendem Insassenkomfort und optimiertem Kraftstoffverbrauch für eine einfachere Anpassung des Systems an neue Fahrzeugmodelle. sj