Bussysteme Ethernet für Infotainment-Anwendungen geeignet

Ethernet könnte künftig MOST bei der Übertragung von Multimedia-Daten ergänzen.

Untersuchungen der Fraunhofer ESK haben gezeigt, dass Ethernet prinzipiell für den Einsatz in automobilen Anwendungen, z.B. im Infotainment-Bereich geeignet ist. Auch Echtzeitanwendungen sind möglich.

Derzeit setzen Automobilhersteller bei Infotainment-Anwendungen überwiegend auf MOST (Media Oriented Systems Transport). Als Alternative oder Ergänzung wäre aber, so das Ergebnis der Studie der Fraunhofer-Einrichtung Systeme der Kommunikationstechnik, Ethernet denkbar, um so die Bordnetz-Architektur zu vereinfachen. Ebenfalls beteiligt an der Studie waren die Continental Automotive GmbH und die M-Sys GmbH.

Als Vorteile für Ethernet führen Fraunhofer & Co. die Tatsache auf, dass sich Ethernet bereits vielfach in industriellen Anwendungen bewährt hat, und zwar hinsichtlich Zuverlässigkeit und Sicherheit. Zudem existieren viele offene Protokolle - basierend auf Ethenert/IP -  mit denen sich etwa mobile Geräte problemlos ins Auto integrieren ließen.

Zum Austausch von Kontrollnachrichten bei der Übertragung von Audiodaten haben die beteiligten Firmen zwei Migrationsszenarien entwickelt und an einem Prototypen getestet. Zum einen das Interworking zwischen Universal Plug-and-Play- (UPnP/Ethernet) und MOST-Kontrollnachrichten, zum anderen die Übertragung derer über einen MOST-over-IP-Tunnel zur Einbindung von Audiogeräten im Ethernet.

Zusätzlich zur Steuerung wurde dabei die Synchronisation der Netzwerkkomponenten und die Vorhersagbarkeit der Übertragungszeiten von Streaming-Daten betrachtet. Hierzu wurde Standard-Ethernet/IP, unter Verwendung von Echtzeitprotokollen wie dem Real-Time Transport Protocol (RTP) und dem Precision Time Protocol (PTP), mit Ethernet Audio/Video Bridging (AVB) verglichen. Der Vergleich deckt auf, dass Ethernet AVB großes Potential bietet, aber, im Gegensatz zu Standard-Ethernet/IP, gegenwärtig noch einige Lücken in der Serienverfügbarkeit einzelner Netzwerkkomponenten hat.

 

Das Ergebnis des Projekts zeigt, dass beide getesteten Ethernet-Varianten für Infotainment-Anwendungen im Auto geeignet sind. Allerdings befindet sich Ethernet AVB noch in der Standardisierung, was den Einsatz verzögert. Der aktuelle Trend zeigt aber, dass Ethernet für die Autoindustrie immer relevanter wird. Dabei ist auf längere Sicht auch der Einsatz für sicherheitskritische Funktionen, z.B. die Übertragung von Sensordaten für Fahrerassistenzsysteme, vorstellbar.

Das Projekt wird durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie gefördert.