Die Vision vom elektrischen Fahren

Auf dem Internationalen Motorpressekolloquium 2009 in Boxberg stellte Bosch seine Vision vor, wie sich der Elektroantrieb zur Serienreife bringen lässt. Allerdings glaubt der Zulieferer daran, dass der Verbrennungsmotor noch bis Jahr 2020 das Straßenbild dominiert.

Bosch arbeitet mit Hochdruck daran, den Elektroantrieb großserienreif zu machen. Parallel dazu verbessern die Bosch-Ingenieure die Technik des Verbrennungsmotors, da dieser laut Bosch noch bis zum Jahr 2020 deutlich weit verbreiteter sein wird. Die Elektromobilität aber birgt ganz neue Ansätze – mit neuen Geschäftsmodellen, lokal null Emissionen und einer verbesserten Effizienz. »Mit diesen Visionen beschäftigen wir uns intensiv«, erklärt Dr. Bernd Bohr, Bosch-Geschäftsführer und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik. »Wir werden das eine tun, ohne das andere zu lassen. Unsere Entwickler werden sowohl für den Benziner als auch für den Diesel 25 bis 30 Prozent Verbrauchsvorteile erschließen – und so bei Dieselfahrzeugen 99 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer unterschreiten können«.

»Das Elektroauto wird anfangs in kleinen Stückzahlen in Nischen auf die Straße kommen und erst nach 2020 deutlicher wahrnehmbar sein«, ist Bohr überzeugt. Dafür spricht die zunehmende Urbanisierung. Bis zum Jahr 2015 soll es weltweit 60 Mega-Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern geben und für den Verkehr in solchen Großstädten ist das Elektroauto optimal zugeschnitten. Seine Chancen liegen in den dicht besiedelten Regionen Asiens, aber auch in europäischen und amerikanischen Metropolen. »Weltweit rechnen wir im Jahr 2015 mit einem Absatz von rund 500.000 Elektroautos. Sollen es mehr werden, so müssen wir die Performance dieser Fahrzeuge noch erheblich steigern«, so Bohr weiter.

Knackpunkt hierbei ist die Energiedichte der Batterie. Um heute deren Mindestreichweite von 200 Kilometer sicher zu stellen, braucht es noch eine Lithium-Ionen-Batterie mit einem Gewicht von gut 250 kg, die rund 17000 Euro kostet –  folglich zu schwer und zu teuer. Daher ist die Aufgabe der Entwickler für die nächsten Jahre klar vorgegeben: Das Gewicht zu reduzieren und die Kosten zu senken. Um aber eine solche Batterie für jedermann erschwinglich zu machen, sind große Produktionsvolumina nötig. »Vergleicht man zwei Hersteller mit Produktionsvolumina von 50.000 und 500.000 Batterien jährlich, so ist beim kleineren Hersteller der Preis pro Batterie mit etwa um 500 Euro höheren Entwicklungskosten belastet«, erläutert Bohr.

Die Skalenvorteile eines Großserienherstellers führen zudem zu einer erheblichen Senkung der relativen Herstellkosten im Vergleich zu einem Kleinserienhersteller. Um den Markt der Elektroautos schnell erschließen zu können, sind Kostensenkungen auf die Hälfte bis ein Drittel wesentliche Voraussetzung. Daraus leitet Bohr die Forderung an die Hersteller in Europa und den USA ab, ihre Kräfte nicht unnötig zu zersplittern. Stattdessen solle man koordiniert vorgehen – ähnlich wie es die Länder Japan oder China vormachen.