»Die Brennstoffzellen-Technologie ist in den Köpfen angekommen - was fehlt sind Taten«

Bei einem Exklusiv-Interview stand Thomas Melczer, CEO von Proton Motor, elektroniknet.de Rede und Anwort über die Zukunft der Brennstoffzellen-Technologie und deren Marktchancen in den nächsten Jahren.

Herr Melczer, Proton Motor entwickelt und fertigt Brennstoffzellen- und Hybridsysteme für die verschiedensten Automotive-Applikationen. Wohin führt aus Ihrer Sicht der Weg für die Brennstoffzellen-Technologie in den nächsten Jahren?

Melczer: Für mich geht der Trend ganz klar hin zu Hybrid-Systemen, vor allem mit der Triple-Hybrid-Technologie. Diese Systeme basieren auf der Brennstoffzellen-Technologie, sind aber mit einem Batterie- und einem Ultrakondensator-System gekoppelt. Die Batterien dienen dabei der Speicherung von Energie, um diese für höhere Leistungen über mehrere Minuten bereitstellen zu können.

Die Kondensatoren sind für kurze Leistungsspitzen im Sekundenbereich und damit insbesondere für die Energierückgewinnung beim Bremsen gedacht. Diese Energie kann als »Boost« beim Anfahren im Start-Stop-Betrieb eingesetzt werden. Darüber hinaus muss ein Triple-Hybrid-System mit Hilfe eines intelligenten Energie-Managementsystems gesteuert werden. Ein solches System haben wir im Hause Proton selbst entwickelt.

Welche Vorteile ergeben sich durch ein solches Energie-Managementsystem?

Die primäre Aufgabe eines solchen Systems ist, das Zusammenwirken der drei Komponenten zu optimieren und dadurch den Gesamtwirkungsgrad zu verbessern. Momentan liegen wir beim Wirkungsgrad unserer Systeme bei ca. 50 bis 60 Prozent. Ein Dieselaggregat hingegen besitzt einen mittleren Wirkungsgrad von knapp 28 Prozent, im innerstädtischen Start-Stop-Betrieb ist dieser noch geringer. Folglich können wir schon heute den doppelten Wirkungsgrad eines herkömmlichen Verbrennungsmotors generieren.

Ein Problem beim Wasserstoff-basierten Antrieb ist die Versorgungsdichte. Welche Neuerungen erwarten uns im Bereich H2-Tankstellen, ist eine flächendeckende Versorgung überhaupt zu erreichen?

Das momentane Tankstellen-Netz für Wasserstoff ist unzureichend. Deshalb haben wir uns mit einem unserer Partner zusammengetan, um eine alternative Betankungstechnik zu entwickeln. Konkret geht es um ein Kartuschen-System. Dabei sollen 25 kg schwere Wasserstoffkartuschen bereitgestellt werden, deren Inhalt z. B. bei einem Gabelstapler oder Kleinfahrzeug Anwendungen einer Betriebsdauer von 6 bis 8 Stunden entspricht.

Ein derartiges Kartuschen-Versorgungsnetz könnte praktisch überall, beispielsweise an Einkaufszentren, realisiert werden. Eine solches System können Sie sich wie heute beim Campinggas vorstellen. Sie geben ihre Leerkartusche ab und erhalten dafür eine befüllte zurück. Dadurch wäre nur eine Einmalinvestition für die Kartusche notwendig, ab dann läuft es wie beim Flaschenpfand.