Audi-Chefelektroniker Dr. Schleuter zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück Der Vernetzer

Wenige Menschen haben die Automobilelektronik geprägt wie Dr. Willibert Schleuter, der das Thema bei Audi aus dem Nischendasein geführt und bis zur etablierten Kernkompetenz weiterentwickelt hat. Im Interview mit der Elektronik automotive beantwortet er Fragen zu aktuellen Themen, aber auch zu seiner Vergangenheit und Zukunft.

Audi-Chefelektroniker Dr. Schleuter zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück

Wenige Menschen haben die Automobilelektronik geprägt wie Dr. Willibert Schleuter, der das Thema bei Audi aus dem Nischendasein geführt und bis zur etablierten Kernkompetenz weiterentwickelt hat. Im Interview mit der Elektronik automotive beantwortet er Fragen zu aktuellen Themen, aber auch zu seiner Vergangenheit und Zukunft.

Wie geht es Ihnen derzeit vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Krise der Automobilwirtschaft?
Dr. Willibert Schleuter: Es ist ein gutes Gefühl, dass wir hinsichtlich der Fahrzeuge, die wir auf den Markt bringen, einen sehr guten Stand haben. Es scheint, glaubt man den aktuellen Umfragen, als wären wir der attraktivste Anbieter auf dem Markt. Audi verfügt über eine frische Angebotspalette; von daher ist es auch nicht überraschend, dass unsere Fahrzeug so gut ankommen. Zudem bieten wir sehr hochwertige Fahrzeuge an, was aus Kundensicht eine große Rolle spielt. Insgesamt ist es, auch wenn ich es nur noch eine begrenzte Zeit aktiv genießen kann, ein sehr gutes Gefühl. Es ist natürlich zum Abschluss sehr positiv, sagen zu können, man hat dazu beigetragen, dass Audi auf diesem Stand ist.

Machen Sie sich kurz vor Ihrem Ausscheiden noch Sorgen darüber, ob der Nachfrageeinbruch auch Audi treffen wird?
Dr. Schleuter: Natürlich. Mein Herz schlägt für Audi und wird immer für Audi schlagen. Die wirtschaftliche Lage ist schwer zu beurteilen. Welche Auswirkungen dies auf Audi haben könnte, ist derzeit nicht abzusehen.

Was war während Ihrer Audi-Zeit Ihr wichtigstes Projekt?
Dr. Schleuter: Das war auf alle Fälle der aktuelle A8. Als ich 1996 zu Audi kam, lagen wir weit hinter der Konkurrenz. Die Wettbewerber hatten auch damals schon mehrere hochvernetzte Fahrzeuge im Angebot. Audi war damals bei den Bustechnologien und auch bei anderen Fahrzeuginhalten weit davon entfernt, Klassenprimus zu sein. Wir haben uns 1997 neu aufgestellt und eine neue Mannschaft aufgebaut – zum Teil auch mit ehemaligen Mitarbeitern von Zulieferern und Wettbewerbern. Nach der Vorstellung des A8 waren unsere Wettbewerber sehr überrascht, in welcher Zeit wir den Rückstand aufgeholt und eine kompetente Entwicklungsmannschaft zusammengestellt haben. Der A8 war für uns eine riesige Herausforderung, die in der Mannschaft extreme Energien freigesetzt hat. Wir waren dann, was uns niemand zugetraut hätte, auf einen Schlag auf Wettbewerbsniveau, in einigen Themen sogar Spitzenreiter. Beim Infotainment beispielsweise wurde ein Jahr zuvor das iDrive von BMW vorgestellt. Ein Jahr später kam unser MMI, das wegen der zusätzlichen Hard- und Soft-Keys deutlich besser zu bedienen war. Erst jetzt wurde der neue BMW 7er vom Bedienkonzept tendenziell auf das Audi-Bedienkonzept umgestellt. Auch die Audi-Architektur mit einem zentralen Gateway finden Sie im neuen BMW. Wir scheinen also damit schon 2002 absoluter Vorreiter gewesen zu sein.