eCall Der technische Lebensretter fährt mit

Im Jahr 2009 waren etwa 1,15 Mio. Verkehrsunfälle in Europa so schwerwiegend, dass ärztliche Hilfe notwendig war, dabei wurden 1,5 Mio. Menschen verletzt, 35.000 verunglückten tödlich. In vielen Fällen hätte das Leben der Opfer durch ein früheres Eintreffen der Einsatzkräfte gerettet werden können. Das automatische Notrufsystem eCall setzt hier an.

Die Europäische Kommission ist die treibende Kraft bei der europaweiten Einführung von eCall. Ziel ist es, die Anzahl der Unfalltoten deutlich zu reduzieren. Hier kommt die Notruftechnologie als eine der Maßnahmen zum Zuge, damit Einsatzkräfte früher und besser vorbereitet am Unfallort eintreffen. Einen positiven Nebeneffekt hat das System auch auf die Volkswirtschaft: Rund 160 Mrd. Euro verliert Europa jährlich durch Verkehrsunfälle. Laut Europäischer Kommission könnten etwa 20 Mrd. Euro eingespart werden, wenn alle Autos in den 27 EU-Staaten mit eCall ausgerüstet wären.

Bei einem Unfall erzeugt das im Fahrzeug integrierte System einen Notruf. Ausgelöst wird der Alarm automatisch – z.B. über einen Airbag-Sensor im Fahrzeug. Alternativ kann ein Insasse den eCall-Notruf aber auch durch Drücken einer Taste aktivieren. Nachdem der Notruf erzeugt wurde, wird eine priorisierte Sprachverbindung über das Mobilfunknetz mit der zuständigen Notrufzentrale, dem Public Safety Answering Point (PSAP), hergestellt.

Das Besondere bei eCall: Gleichzeitig mit dem Sprachanruf sendet das System einen Mindestdatensatz (MSD). Dieser enthält alle relevanten Informationen zum Fahrzeug und zum Unfall. Die Daten werden auch dann übermittelt, wenn eine Sprachkommunikation nicht möglich ist. Der Datensatz enthält die exakten Ortskoordinaten, die im Fahrzeug mittels eines GPS-Empfängers bestimmt wurden. Über EGNOS, das Erweiterungssystem zu GPS, lässt sich die Position von Fahrzeugen bis auf 3 m genau lokalisieren. Alle vom eCall-System gebündelten Informationen werden über den Mobilfunk-Sprachkanal übermittelt. So wird sichergestellt, dass der Datensatz sicher und schnell übertragen wird. Den Datensatz per SMS zu übertragen, kommt ebenfalls nicht in Frage: Ihre Zustellung kann im Mobilfunknetz nicht garantiert werden, eine SMS kann stark verzögert oder auch überhaupt nicht beim Empfänger ankommen. Über eine Kennung (eCall-Flag) erkennt der Betreiber des Mobilfunknetzes, dass es sich um einen eCall handelt. Der zuständige Mitarbeiter erhält neben dem Datensatz auch den Sprachanruf. Er kann so hören, was im Fahrzeug passiert, und gegebenenfalls mit den Insassen sprechen.