Das Sterben der Zulieferer hat erst begonnen

Laut einer Oliver-Wyman-Analyse haben in den letzten drei Monaten 22 Zulieferer aus Deutschland oder mit Werken in Deutschland Insolvenz angemeldet. Bis Ende des Jahres könnten weitere 50 bis 80 Automobilzulieferer das gleiche Schicksal ereilen.

Laut der aktuellen Oliver-Wyman-Analyse »Krise in der Automobilindustrie« setzten die 22 genannten Firmen im Jahr 2007 zusammen 4,5 Mrd. Euro um und beschäftigten 32.000 Mitarbeiter im In- und Ausland. Der Scheitelpunkt der Insolvenzwelle soll laut der Analyse im März 2009 erreicht werden, wenn die Auswirkungen von verlängerten Weihnachtsferien und Kurzarbeit bei den Automobilherstellern sich voll auf die Zulieferer durchschlagen. Bis Ende dieses Jahres könnten weitere 50 bis 80 Automobilzulieferer und somit bis zu 100.000 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen sein.

Die Analysten fordern, dass Fahrzeughersteller, Banken und Politiker aus ihrer »Schockstarre« erwachen und sich aktiv der anrollenden Insolvenzwelle deutscher und europäischer Automobilzulieferer entgegenstellen. Mit einem Umsatz von 290 Mrd. Euro im Jahr 2007 und 745.000 direkt Beschäftigten ist die Automobilindustrie die Schlüsselindustrie in Deutschland. Jeder sechste Arbeitsplatz hängt hierzulande inzwischen vom Automobil ab. Ein Viertel aller Forschungs- und Entwicklungsgelder in Deutschland - das entspricht rund 18 Mrd. Euro - werden von Unternehmen des Automobilbaus ausgegeben.

43 Prozent der Beschäftigten, zirka 70 Prozent der Wertschöpfung eines Automobils sowie 60 Prozent der Innovationen stammen aus der Zulieferindustrie. Ohne deutsche Hightech-Unternehmen gäbe es kein lebensrettendes ABS und kein komfortables, adaptives Fahrwerk. Außerdem so sind sich die Analysten einig, kommen die weltbesten Antriebe und Motoren aus Deutschland. »In der Automobilwelt sind  ‚Innovations made in Germany‘ längst zum Markenzeichen deutscher Ingenieurkunst geworden«, betont Jan Dannenberg, Partner und Zulieferexperte von Oliver Wyman.