BMW: Internet Protocol fürs Auto

Die Ingenieure der BMW Group Forschung und Technik verfolgen ein ebenso revolutionäres wie nahe liegende Vorhaben: Sie wollen das Internet Protocol als Standardsprache für das automobile Bordnetz einsetzen. Das Fahrzeug wird zu einem Teilnehmer am World Wide Web.

Im Alltag ist der schnelle und unkomplizierte Austausch von Informationen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. So werden etwa Mails an jedem
Ort und zu jeder Zeit per Handy oder Notebook verschickt. Dazu werden Daten digitalisiert und in Form von Internet-Protocol-Paketen übertragen. Dieser Standard bietet den Luxus, Musik, Bilder, Mails oder Dokumente überall abrufbar zu haben.

Im automobilen Netzwerk gibt es keine Standardsprache. Um die elektronischen Daten im Auto zu übertragen, werden verschiedene Bussysteme wie CAN, LIN, MOST oder FlexRay eingesetzt, die über Gateways zusammenarbeiten. Eine einheitliche Technologie wäre für den Transport der immer größer werdenden Datenmengen im Auto ein Befreiungsschlag. Als Basis dafür wollen die Ingenieure von BMW das Internet Protocol (IP) nutzen. Im Fahrzeug könnte ein Breitbandnetzwerk wie das Ethernet als Übertragungsmedium eingesetzt werden, und das Auto würde am World Wide Web teilnehmen.
 
Die Ingenieure bauten einen Prototypen auf, um zu demonstrieren, was IP im Fahrzeug leisten könnte. In einem aktuellen Serienfahrzeug setzten sie wo es möglich war Standardkomponenten aus dem PC- und Embedded-Bereich ein. In das IP-Netzwerk eingebunden waren auch die Motorsteuerung DME (Digitale Motor Elektronik), das Fahrregelsystem DSC (Dynamic Stability Control) und die Head-Unit, die zum Beispiel das Radio steuert. Selbst gebaute Gateways verbanden die Fahrzeugbus-Kommunikation in Echtzeit mit dem IP-Netz. An das Netz angeschlossen  wurden auch ein Multimedia-Server und eine Kamera. Die BMW-Ingenieure wiesen nach, dass ein IP-basiertes Netzwerk sicherheitskritische Fahrwerkssysteme in Echtzeit sowie datenintensive Multimedia-Anwendungen parallel ausführen kann.

Die Vorteile für den Kunden liegen auf der Hand: Ein Bordnetz, das auf IP basiert, bietet mehr Komfort und Sicherheit. So lassen sich zum Beispiel in der Werkstatt leichter und transparenter Steuergeräte und Funktionen integrieren. Bei Fahrerassistenzsystemen gibt es neue Möglichkeiten für komplexe Systeme, die vielfältige Informationen von Sensoren und Kameras nutzen. Und nicht zuletzt kann der Fahrer per Plug & Play elektronische Endgeräte im Fahrzeug nutzen oder Videos aus dem Internet laden und spielen. Das Auto wird Teil des Gesamtnetzwerks. Die Forscher von BMW nennen es ihre »Vision«, doch es ist eine, die sich aufdrängt.