BMW glaubt nach wie vor an Wasserstoff

Wasserstoff wird, nach Ansicht von Prof. Dr. Freymann von der BMW Forschung und Technik GmbH, künftig in seiner Bedeutung als Energieträger zunehmen.

Über die "Anforderungen an das Automobil der Zukunft" referierte Prof. Dr.-Ing. habil. Raymond Freymann, Geschäftsführer der BMW Forschung und Technik GmbH, am 8. Dezember an der Hochschule Landshut. Freymann erwartet, dass die Zahl von derzeit weltweit 770 Mio. genutzter Fahrzeuge, bis zum Jahr 2030 auf 1 Mrd. anwachsen wird. Dies sei allerdings nur möglich, "wenn der Globus nicht merkt, dass wir 1 Mrd. Autos auf der Straße haben". Als wichtige Themen für künftige individuelle Mobilität nannte Freymann "Energie, Rohstoffe, Umweltschutz, Sicherheit, Verkehrsmanagement, Kosten sowie soziale Akzeptanz und Dynamik." 

Speziell für BMW bestehe ein Zielkonflikt zwischen Komfort/Sicherheit, Verbrauch und Fahrdynamik, den der Hersteller über sein EfficientDynamics-Programm zu lösen versucht. Der Kerngedanke von EfficientDynamics besteht darin, den Energieverbrauch der Fahrzeuge zu senken, ohne Einbußen bei der Fahrdynamik hinzunehmen. Im Antriebsstrang z.B., versucht BMW nicht nur den Kraftstoffverbrauch des Motors zu minimieren, sondern zusätzlich Energie aus dem Abgas- und Kühlsystem zurück zu gewinnen, wo bisher bis zu zwei Drittel der im Kraftstoff gespeicherten Energie verloren gehen. 

Im Wasserstoff sieht Freymann für die Zukunft noch großes Potential, etwa wegen "der tollen Verbrennungsqualität von Wasserstoff". BMW könne über eine lange Erfahrung mit Elektro- und Hybridfahrzeugen zurückblicken, so Freymann. Bereits zu den olympischen Spielen von 1972 wurde ein BMW 1602 auf E-Antrieb umgerüstet, das Wasserstoff-Fahrzeug wurde 1979 vorgestellt. Wasserstoff bietet sich, laut Freymann, an, um Energie aus regenerativen Energiequellen zwischenzuspeichern. Im Vergleich zu Sonnen- oder Windenergie ließe sich Wasserstoff relativ gut speichern, und bei Bedarf, etwa in einem Verbrennungsmotor, wieder nutzen. Der Brennstoffzelle steht Freymann eher skeptisch gegenüber. Zwar plant man bei BMW, eine kleine Brennstoffzelle als Notstromaggregat im Fahrzeug zu nutzen, als Energiequelle für einen Elektroantrieb sei sie aber noch mehrere Jahre unbezahlbar.

Eine weitere große Herausforderung für den Autobauer BMW ist, laut Freymann, auch die Anpassung an die demografischen Gegebenheiten. So sieht BMW künftig vermehrt Frauen und auch ältere Menschen als Käufer seiner Produkte. Dabei sei es wichtig, nicht ein Auto speziell für Frauen oder ältere Menschen zu bauen, sondern Autos zu entwickeln, die von diesen Bevölkerungsgruppen akzeptiert werden.