Mensch-Maschine-Schnittstellen Bedienkonzepte für weniger Ablenkung im Cockpit

Einfach Bedienung ohne Ablenkung - das ist das große Ziel.
Einfach Bedienung ohne Ablenkung - das ist das große Ziel.

Wie müssen Bediensysteme im Auto beschaffen sein, damit Funktionen mit möglichst wenig Ablenkung ausgewählt werden können? Dieser Artikel beschreibt Erfahrungen aus der Entwicklung von Mittelkonsole-Konzepten und stellt multimodale Lösungsansätze vor, die dem Fahrer die Wahl bei der Entscheidung für seine bevorzugte ­Bedienmethode lassen.

Eine aktuelle ADAC-Studie aus diesem Jahr hat unter anderem die Suche nach einem Radiosender als Quelle großer Ablenkung identifiziert. Im Durchschnitt dauert dieser alltägliche Vorgang rund 12 Sekunden und macht elf Blicke notwendig. Laut ADAC-Unfallforschung gelten solche durch einen Bedienvorgang verursachte Unaufmerksamkeiten als achthäufigste Unfallursache [1]. Entwickler von Bediensystemen bemühen sich zwar stets, die Ablenkung von Autofahrern zu minimieren. Doch es gibt eben nicht „den Autofahrer“, an dem sich alle Hersteller orientieren können, sondern eine Vielzahl von Menschen mit sehr individuellen Eigenschaften und Vorlieben.

Zudem haben sich die Bediengewohnheiten vieler Millionen Menschen durch die massive weltweite Verbreitung von Smartphones und Smartpads nachhaltig verändert. Autofahrern der Generation Facebook ist es in Fleisch und Blut übergegangen, Icons auf der glatten Oberfläche ihrer Geräte anzutippen und ein akustisches sowie visuelles Feedback als Bestätigung zu bekommen. Dagegen sind ältere Autofahrer daran gewöhnt, für Bedienvorgänge eine Taste zu drücken oder einen Knopf zu drehen. Das Auto muss aber beiden Zielgruppen gerecht werden.

Trotz unterschiedlicher Zielgruppen soll die Ablenkung bei der Auswahl von Funktionen so gering wie möglich sein. Dies gelingt nur, wenn man beim Design von Bedienoberflächen psychologische Erkenntnisse über das Unterbewusstsein berücksichtigt. Der aus der experimentellen Psychologie bekannte Stroop-Effekt liefert ein markantes Beispiel für mentale Verarbeitungskonflikte. Der Stroop-Effekt zeigt, dass trainierte Handlungen nahezu automatisch ablaufen, während ungewohnte Handlungen eine größere Aufmerksamkeit benötigen.

Einen Beweis für diese Theorie liefert ein Experiment, bei dem Farben von Wörtern benannt werden sollen. Handelt es sich dabei um Farbwörter, die nicht ihrer Druckfarbe entsprechen, steigen Reaktionszeit und Feh­lerzahl. Wer Bedienlogiken erdenkt, sollte zuvor selbst versucht haben, die Farben in der Abbildung „Stroop-Effekt“ möglichst schnell hintereinander fehlerfrei zu benennen (Bild 1). Dabei wird deutlich, wie viel Konzentration für diese Aufgabe erforderlich ist – insbesondere wenn man ungeübt ist. Denn hier läuft ein bewusster Prozess (die Farbbenennung) konträr zu einem unterbewussten „automatischen“ Prozess (das Lesen). Bezogen auf Bediensysteme im Fahrzeuginterieur kann es somit sehr ablenkend sein, wenn eine Bedienlogik anders als gewohnt funktioniert.