Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI Baden-württembergische Automobilzulieferer nicht bereit für Elektromobilität

Abgesehen von den großen Systemlieferanten ist das Gros der stark mittelständisch geprägten baden-württembergischen Zulieferindustrie im Hinblick auf die anstehenden Herausforderungen der Elektromobilität eher schlecht gerüstet. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung bilden sie im Vergleich zu Unternehmen aus anderen deutschen Automobilzulieferregionen das Schlusslicht, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI.

Die im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart durchgeführte Studie untersucht die Zukunftsfähigkeit baden-württembergischer Automobilzulieferer vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden technologischen Wandels hin zu Fahrzeugen mit alternativen Antrieben.

„Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs in seinen verschiedenen Ausprägungen wird in den kommenden Jahren zu neuen Entwicklungen und Veränderungen in Marktpositionen führen“, so Dr. Christoph Zanker, Projektleiter am Fraunhofer ISI. Zwar wird mittel- bis langfristig in einem Großteil der Personenkraftwagen der Verbrennungsmotor Teil des Antriebsstrangs sein. Allerdings wird aktuellen Berechnungen des Fraunhofer ISI zufolge bis zum Jahr 2030 für konventionelle Antriebskomponenten wie Verbrennungsmotor, Abgasanlage, Kraftstoffversorgung oder Getriebe trotz eines wachsenden PKW-Gesamtmarkts allenfalls mit schwachen Wachstumspotenzialen zu rechnen sein.

Trotz dieser Prognosen betragen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei baden-württembergischen Automobilzulieferern im Mittel lediglich 2,6 Prozent am Umsatz und liegen damit im Vergleich zu den anderen deutschen Automobilzulieferregionen an letzter Position. Bedenklich ist auch, dass die untersuchten Unternehmen schon heute nur unterdurchschnittliche Umsätze mit Produktneuheiten realisieren. Zudem überrascht, dass die Automobilzulieferer wenig mit Forschungseinrichtungen kooperieren.

Die eher kritische Situation der kleinen und mittleren Automobilzulieferer in Baden-Württemberg wird durch Patentanalysen bestätigt: Mehr als 85 Prozent der Patentanmeldungen entfallen auf die großen Systemhersteller. Allerdings ist auch das hohe Patentaufkommen der Großunternehmen nicht uneingeschränkt positiv einzuschätzen. Sie patentieren nämlich nach wie vor schwerpunktmäßig im Bereich konventioneller Antriebskomponenten und weniger in elektromobilitätsrelevanten Technologien, insbesondere in der Batterietechnologie. Der Blick nach China zeigt, dass es dort genau andersherum ist.

Die Studienergebnisse implizieren großen Handlungsbedarf für die baden-württembergischen Zulieferer, um auch mittel- bis langfristig die technologische Anschlussfähigkeit und somit auch die eigene Zukunftsfähigkeit zu wahren. Die Automobilzulieferindustrie zählt nicht nur in Baden-Württemberg sondern auch in Deutschland zu den gesamtwirtschaftlich tragenden Säulen. Ohne Unterstützung aus der Politik werden sich gerade kleine und mittlere Zulieferer schwer tun, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen.