Automobilindustrie ist wenig innovationsfreudig

Neue Ideen haben es in der Automobilbranche schwerer als anderswo. Das ist ein Ergebnis des Innovations-Reports 2008 von Invensity. Zur Durchsetzung verhilft ihnen nur Preis- oder Konkurrenzdruck. Ein Beispiel ist der Hybridmotor.

Die meisten Experten sehen laut Studie zu wenig realistische Chancen für die Umsetzung von Innovationen in Serienproduktionen. Fast die Hälfte der Fachleute hält den Weg für Neuerungen in der Automobilindustrie für deutlich schwieriger als in anderen Industriezweigen. Nur 26 Prozent sind der Meinung, Innovationen ließen sich in ihrer Branche leichter verwirklichen als anderswo.

»Ob eine Idee zur Innovation wird, hängt vor allem von Zuverlässigkeit und Kosten ab. Die hohen Anforderungen der Automobilindustrie an diese beiden Faktoren führen dazu, dass Innovationen nicht selten in den Kinderschuhen stecken bleiben«, erklärt Utz Täuber, Automobil-Experte bei Invensity.

Eine ernsthafte Chance haben Neuerungen nach Analyse der Technologieberater nur in zwei Fällen, nämlich bei Preis- oder Konkurrenzdruck. Die Gewinnung neuer Märkte ist kein Motiv für die Hersteller. Auch Kundenwünsche haben wenig Einfluss.

»Ein Beispiel sind Hybridmotoren, die lange Zeit nur von japanischen Automobilherstellern zur Serienreife hin entwickelt wurden. Jetzt erst, nachdem die Machbarkeit der Hybridfahrzeuge nachgewiesen ist, versuchen europäische Hersteller dieses Neuland auch für sich nutzbar zu machen«, so Täuber. Beim Hybrid wirkt allerdings auch die Europäische Union als Innovationstreiber für die Automobilbranche. 38 Prozent der befragten Experten vermuten, dass Emissionsvorgaben der EU ein relevanter Antrieb für technische Neuerungen sind.

Dass nur Druck zum Handeln befähigt, weiß jeder Student. Und Wünschen hilft nur im Märchen. Doch auch Kunden können Druck erzeugen, wenn ihre Wünsche nicht beachtet werden, und dies ist der stärkste Druck. Er wirkt bereits massiv in Europa und den USA durch mangelnde Kauflust. So groß ist der Druck durch einbrechende Verkaufszahlen in den USA, dass schmerzhafte Kapazitätsanpassungen und vorübergehende Standortschließungen bei GM und Ford nötig sind. Die deutschen Hersteller konstatieren immerhin einen Innovationsrückstand und sammeln ihre Kräfte. So will VW-Chef Martin Winterkorn Presseberichten zufolge »auf Angriff« spielen, die Forschungsabteilung in Kassel aufstocken und ein Elektroauto entwickeln. Auch Daimler sieht sich im Bereich Umwelttechnik im Hintertreffen. Daimler-Chef Dieter Zetsche sucht 3.000 Ingenieure, um die Entwicklung von alternativen Antriebstechnologien voranzutreiben. Der explodierende Benzinpreis lässt keine Wahl.