Audi bremst jetzt selbstständig

Die Ingolstädter Autobauer haben unter der Bezeichnung Audi braking guard einen (Not-)Bremsassistenten vorgestellt, der künftig das Risiko von Auffahrunfällen verringern soll.

Der Bremsassistent Audi braking guard gehört zu einer Generation von intelligenten Assistenzsystemen, die das Umfeld des Autos beobachten und dadurch erhöhten Schutz bieten. Er wird in den Modellreihen A4, A4 Avant, A6, A8, Audi Q7 und im neuen Q5 als Bestandteil des ACC angeboten.

Bei Audi sorgt die radargestützte Geschwindigkeitsregelanlage adaptive cruise control dafür, dass der Abstand zum Vordermann in einem Geschwindigkeitsbereich von 30 bis 200 km/h konstant bleibt. Das Fahrzeug kann dabei selbstständig verzögern und beschleunigen. ACC lässt dem Fahrer die Wahl zwischen verschiedenen Fahrprogrammen. In ihnen sind der Zeitabstand zum Vordermann in vier Schritten, zwischen 1,0 und 2,3 Sekunden, und die Dynamik der Regelung in drei Stufen, von komfortabel bis sportlich, festgelegt. Durch Gasgeben oder Bremsen passt ACC das Tempo und die Distanz an, wobei der Komfort Priorität genießt. Die maximale Verzögerung ist auf 3 m/s2 ab 50 km/h begrenzt, was ungefähr einem Drittel der maximal möglichen Verzögerung entspricht.

Reicht in einer kritischen Situation die Verzögerung durch ACC nicht aus, wird künftig der Audi braking guard aktiv. Dieser warnt den Fahrer in zwei Stufen.
Die erste Stufe besteht aus einem Gong und einem roten Symbol, das im Kombiinstrument aufleuchtet. Das ESP sorgt dafür, dass die Bremsanlage mit Hydraulik-Flüssigkeit vorgefüllt wird. Wenn der Fahrer jetzt noch immer passiv bleibt, folgt die zweite Stufe, die so genannte Akutwarnung. Sie wird gezündet, wenn der Warnalgorithmus zu dem Ergebnis kommt, dass sich die Situation nur noch mit einer unmittelbaren Fahrerreaktion – meist einer Vollbremsung – entschärfen lässt.
Als Akutwarnung kommt ein Warnruck zum Einsatz, d.h. ein 0,5 Sekunden dauernder Druckaufbau im Bremssystem, der das Fahrzeug um maximal 5 km/h abbremst.
Die Entscheidung für diese Art der Warnung fiel nach einer ausgedehnten Untersuchung durch die Bundeswehruniversität München.
In den Testreihen führte der Warnruck in den allermeisten Fällen dazu, dass die abgelenkten Fahrer den Blick wieder auf die Straße richteten und schnell auf die Bremse traten. Der Audi braking guard wandelt diesen Tritt durch den hydraulischen Bremsassistenten in eine Vollbremsung um, die ohne Verzögerung einsetzt. Die Vorfüllung, die das ESP veranlasst hat, spart 100 bis 200 Millisekunden Zeit.

Der Audi braking guard ist auch bei abgeschaltetem ACC aktiv, kann aber über einen separaten Schalter deaktiviert werden.