Standpunkt Warum wir den VEC-Standard brauchen

Vehicle Electric Container (VEC), der unabhängige Standard zur Datenablage.
Der Vehicle Electric Container (VEC)ist ein unabhängige Standard zur Datenablage.

Wer den Wechsel vom Zeichenbrett ins IT-Zeitalter ins Auge fasst, wird an einem Standard zur Datenablage nicht herumkommen. Und der einzige derzeit existierende unabhängige Standard ist der Vehicle Electric Container (VEC). Ein Standpunkt von Josef Koppauer.

Seit dem Jahre 2000 trifft sich drei- bis viermal jährlich eine Arbeitsgruppe von Bordnetzspezialisten der deutschen Automobilhersteller (OEMs) und ihrer Kabelbaumlieferanten, um Standardformate zum Austausch von Bordnetzdaten zu spezifizieren.

Das erste Ziel dieses Teams aus Bordnetzentwicklern, Fertigungsspezialisten sowie Prozess- und Methodenentwicklern, unterstützt durch Informatiker, war es, ein Standardformat für den Datenaustausch zwischen der Entwicklung und der Fertigung der Leitungssätze zu definieren. So entstand die Kabelbaumliste KBL 2.x. Die KBL etablierte sich rasch in den Prozessen zum Datenaustausch zwischen den OEMs und ihren Lieferanten (Bild 1) und weckte dadurch Begehrlichkeiten bei anderen Prozesspartnern der Bordnetzentwickler. Die Versuchsabteilungen forderten Geometriedaten und Bauteilbeschreibungen, die Kundendienstabteilungen benötigten Vernetzungsdaten zum Erstellen der Reparaturanleitungen, und der Einkauf drängte auf die Bereitstellung von Stücklisten.

Die Reaktion der Arbeitsgruppe auf diese Anforderungen war die Erstellung dreier zum Kabelbaummodell KBL ergänzenden Datenmodelle:

  • die Komponentenbeschreibung KOMP,
  • das Geometriemodell GEO und
  • das Elektrologikmodell ELOG.

In ihrer Gesamtheit sind diese vier Modelle (Bild 2) in der Lage, das Bordnetz eines beliebigen Fahrzeugs über den gesamten Lebenszyklus zu beschreiben und diese Daten von der Konzeptphase über die Entwicklung, die Absicherung, die Erstellung von Wartungs- und Reparaturanleitungen sowie die Produktdokumentation bereitzustellen.

Nur geringe Akzeptanz bei Teilmodellen

Die Akzeptanz dieser Teilmodelle am Markt entsprach nicht ansatzweise den hohen Erwartungen der Ersteller. Das lag daran, dass einerseits mit der Veröffentlichung der Modelle in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts die Erneuerung der Tool-Landschaften bei den OEMs weitgehend abgeschlossen war oder wegen der einsetzenden Wirtschaftskrise beendet wurde.

Andererseits versuchten die Tool-Anbieter mehr oder weniger erfolgreich, die Erweiterung des Standards dadurch zu unterlaufen, dass sie basierend auf der Modellierung der KBL Dialekte für den Austausch von Vernetzungs- und Geometriedaten schufen.

Die Projektgruppe entschied daraufhin, die vier Teilmodelle zum Austausch von Bordnetzdaten zu konsolidieren und diese zu einem Gesamtmodell, den Vehicle Electric Container (VEC), zusammenzuführen (Bild 3).

Dieses Gesamtmodell für das physische Bordnetz unterstützt mit seinen vier Teilmodellen nicht nur den internen Datentransfer zwischen den einzelnen Prozessschritten und den beteiligten Tools, sondern ist auch für den Austausch der Daten mit externen Partnern geeignet. Sogar zum Ablegen, Speichern und zur Langzeitarchivierung von physischen Bordnetzen lässt sich dieses Datenmodell verwenden.